Tag Archives: Literatur

In eigener Sache: Der lange Abschied

Verehrte Leserschaft!


Lange Zeit war es still auf diesen Seiten – und das wird auch so bleiben.


Aus verschiedenen Gründen habe ich mich entschieden, die Arbeit am Blog “Buecherrezension”, den ich seit 2013 betrieben habe, einzustellen.
Dem Format jedoch werde ich treu bleiben. Wer also weiterhin gerne Texte aus meiner Feder zu lesen wünscht, der sei auf die neue Seite https://marinoferri.com/ verwiesen.


Die Inhalte von buecherrezension.com werde ich nicht migrieren, sondern so auf dieser Seite stehen lassen, wo sie weiterhin eingesehen werden können.


Es war eine spannende und lehrreiche Zeit – und ich hoffe, einige Leser und Leserinnen auch auf der neuen Plattform zum erlesenen Publikumskreis zählen zu dürfen!

Mit zukunftsfrohem Gruss

Marino Ferri

Zürcher Streifzüge (10): Mars regiert die Stunde

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Wer dieser Tage Literatur und Zürich denkt, wird unweigerlich mit Ausserirdischem konfrontiert: Seit einiger Zeit betreibt Philipp Theisohn mit seinem Team an der Universität Zürich das Forschungsprojekt “Conditio Extraterrestris – Das bewohnte Weltall als literarischer Imaginations- und Kommunikationsraum 1600-2000”. Neben Seminaren, Podiumsdiskussionen, Lesungen und momentan zwei Dissertationsprojekten, findet im Rahmen von Theisohns Forschung dieses Semester auch ein MOOC (Massive Open Online Course) unter dem Titel “Spacebooks” statt.

Es ist erfreulich zu sehen, dass gerade eine Zweigstelle der hin und wieder als altmodisch verschrienen Literaturwissenschaften sich an dieser fortschrittlichen Form der Lehre beteiligt. Zumal es nicht die einzige ist: Auch die Nordistik hatte früher in diesem Jahr mit “Sagas and Space – Thinking Space in Viking Age and Medieval Scandinavia” bereits ein ähnlich zu verortendes Programm als MOOC angeboten.

strauhof

Philipp Theisohn, der sich zuletzt auch für Die Zeit zum Thema äussern konnte, hat nun den Orbit der Universität für ein weiteres spannendes Projekt verlassen: Gemeinsam mit Gesa Schneider vom Zürcher Literaturhaus, das als Teil des Vereins “Literaturmuseum Zürich” die Trägerschaft des Museum Strauhof übernommen hat, Rémi Jaccard und den Szenografen SchmauderRohr wurde eine Ausstellung inszeniert: “Mars – Literatur im All”.

Die öffentliche Vernissage findet morgen Abend, den 25.09.2015, um 19 Uhr im Museum Strauhof an der Bärengasse statt. Regulär ist die Ausstellung ab dem 26.09. zugänglich. Stadtpräsidentin Corinne Mauch wird ein Grusswort ausrichten, sprechen wird unter anderen auch der Schriftsteller Lukas Bärfuss, der der Trägerschaft angehört.

Diverse spannende Veranstaltungen ergänzen die Ausstellung, die bis zum 3. Januar 2016 zu sehen sein wird, als Rahmenprogramm. Hierzu die Medieninformation:

“Führungen, Lesungen und Filmabende zum Mars umrahmen die Ausstellung. Am 12. November besucht das Institute of Incoherent Cinematography den Strauhof mit Himmelskibet, der 1918 als erster abendfüllender Weltraumfilm der Filmgeschichte erschien. Das Forschungsprojekt Conditio extraterrestris präsentiert erstmals die Spacebooks, für den Massive Open Online Course produzierte Lernvideos, die sich mit dem Mars in der Literatur befassen. Im Rahmen dieser öffentlichen Lehrveranstaltung im Strauhof können Thesen zur Marsmanie des digitalen Zeitalters mit Experten für alles Ausserirdische diskutiert werden.

An neun Abenden im Herbst rauscht die Strauhof-Raumkapsel mit einem Mars-Klassiker ins All: Schauspieler und Schauspielerinnen, u.a. Lara Körte, Thomas Sarbacher oder Esther Becker, lesen Ray Bradburys Werk Die Mars-Chroniken. Radio Stadtfilter sendet die Aufzeichnungen am jeweils folgenden Dienstagabend. Ausser Haus zeigt das Filmpodium im Oktober zwei Filmadaptionen von H.G. Wells’ Kultbuch The War of the Worlds. Und am 15. Oktober findet in der Sternwarte Urania eine Spezialführung zum Thema Mars statt.”

In der Ausstellung werden neben literarischen Objekten auch einige Stummfilme aus den 1910er- und 1920er-Jahren zu sehen sein, die die Reise zum Mars zeigen. Unter den ausgestellten Objekten sei an dieser Stelle die Erstausgabe von Johannes Keplers “Astronomia Nova” (1609) hervorgehoben, die bisher noch nie in Zürich zu sehen war.

Mit multimedialem Zugang, spannenden Partnerschaften – dank des Projekts “Flex” der Migros bleibt das Museum jeweils donnerstags bis Mitternacht geöffnet! – und fachverständiger Kuratierung belebt das Projekt die herbstliche Zürcher Landschaft ungemein. Bleibt zu hoffen, dass die öffentliche Begeisterung und ein grosser Besucheransturm nicht ausbleiben werden!

Website-Tipp: Clue Writing

Anstatt eines Streifzugs durch die Zürcher Literaturgeschichte, gibt es heute einmal einen Spaziergang durch die unmittelbare Zürcher Literaturbloggegenwart. In diesem Rahmen möchte ich auf eine Website hinweisen, deren Autorinnen sich mit Leidenschaft und Engagement einer ganz spezifischen Form des Schreibens widmen: Clue Writing.

Rahel und Sarah vom benachbarten Zürcher Blog Clue Writing verfolgen einen interaktiven literarischen Approach. Das Konzept ist einfach: Aus fünf Stichwörtern (Clues) und einer Ortsangabe (Setting) entstehen kurze Texte mit einer Obergrenze von 1700 Worten, wobei die sprachliche und inhaltliche Gestaltung von den Autorinnen – oder den Gastautoren – frei gewählt werden dürfen. Was sich zunächst vielleicht etwas primarlehrerhaft anhört oder wie eine blosse Fingerübung für Schreiblehrlinge, kann sich in geübten Händen zum Sammelbecken höchst unterhaltsamer literarischer Miniaturen entwickeln, wie dieses Projekt unter Beweis stellt.

Wöchentlich erscheinen mindestens zwei Texte, daneben gibt es Interviews, Gaststorys und neuerdings auch einen mit professionellen Sprechern eingespielten Kurzgeschichten-Podcast. Wie ein Text entsteht, ist auf Clue Writing transparent dokumentiert, so dass neben dem unterhaltenden durchaus auch ein belehrender Wert vorhanden sein kann. Zudem fördern die Macherinnen die Interaktivität, fordern ihr Publikum auf, sich aktiv an den Schreibprozessen zu beteiligen – sei es als Gastautoren oder auch nur als Clue-Geber – und haben Raum, um andere Projekte vorzustellen.

Clue Writing ThumbnailDas einfache, aber prägnante Design ist unaufdringlich, die gute Organisation der Website macht den Aufenthalt auch abseits der eigentlichen Texte zu einem angenehmen. Um die von der schieren Menge der vorhandenen Texte (mittlerweile 281) allenfalls abgeschreckte Leser und Leserinnen einen bequemen Einstieg zu verschaffen, wählen die Autorinnen regelmässig ihre Favoriten.

Aus aktuellem Anlass sei auch erwähnt, dass die Bloggerinnen zweimal jährlich eine Blogparade veranstalten, in der sie alle Interessierten einladen, eine Kurzgeschichte mit denselben Vorgaben zu schreiben. Heute, den 19. April 2015, beginnt eine solche Parade. Des Weiteren ist ein Literatur-/Schreibwettbewerb geplant, der voraussichtlich nächsten Monat ausgeschrieben und bis Ende Herbst laufen wird, wonach die Texte als E-Book-Anthologie veröffentlicht werden sollen.

Ich möchte Clue Writing all jenen empfehlen, die sich an einem verspielten, unverkrampften Zugang zu Literatur erfreuen; all jenen, die zwischendurch gerne einmal eine kurze Geschichte snackartig verspeisen, als sei sie ein Knoppers, ein Kägifret, eine Handvoll lecker Baumnüsse; und letztlich all jenen, die selber gerne Texte schreiben, sich aber (noch) nicht an eine eigene Plattform gewagt haben – macht mit, werdet Gastautoren und haut mit derselben Verve in die Tasten, wie Sarah und Rahel dies seit mittlerweile fast 3 Jahren mit bewundernswerter Disziplin tun!

Clue Writing Logo
Clue Writing Portrait

Clue Writing findet ihr auch auf Facebook | Twitter | Google+ | Tumblr | Bloglovin

Zunächst aber natürlich unter der Hauptadresse: www.cluewriting.de

Zürcher Streifzüge (4): Von Flachdächern und Rabenhäusern

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Tief in die Wildnis, in den finstern Wald, wo nie zuvor ein Mensch hingefunden hatte, begab sich einst ein Mönch. Auf seinem Weg sah er plötzlich einen Sperber hungrig ein Nest umkreisen. Er vertrieb den Räuber und rettete zwei junge Raben aus dem Nest, die fortan seine treuen Begleiter waren. An einer nahegelegenen Quelle errichtete er sich ein bescheidenes Heim und lag Tag und Nacht im Gebet. Nach vielen Jahren begannen Leute zu ihm zu pilgern, eines nachts jedoch kamen auch zwei Räuber, die grosse Schätze in seiner Hütte vermuteten. Sie erschlugen den Einsiedler. Erschrocken ob der beiden Vögel, die nun erbost herumflatterten, flüchteten die Räuber, rannten Stunden und Aberstunden durch den dichten finsteren Wald, bis sie endlich nach Zürich kamen, wo sie in einem Wirtshaus Zuflucht suchten. Kaum hatten sie sich aber gesetzt, stürzten die beiden Raben durch das Fenster und attackierten die Räuber. Von dieser Begebenheit alarmiert, verhafteten die Zürcher die beiden – und nachdem klar geworden war, dass diese den Einsiedler aus dem finstern Walde getötet hatten, wurden sie gerädert. Der Einsiedler – sein Name war Meinrad – wurde ausserhalb des Waldes bestattet, dort, wo heute das Kloster Einsiedeln steht. Ebenso wie das Kloster hat auch das ehemalige Wirtshaus in Meinrads Gedenken die Raben zu seinen Hütern erkoren…

Am Hechtplatz, nahe der Limmat, steht es noch heute, das Haus zum Raben, jetzt nurmehr Bestandteil der idyllischen altstädtischen Kulisse, ein Fotosujet, Unterkunft für Friseurgeschäfte, Restaurants und Kleiderläden. Dieses mythenumwobene Haus hat auch in der neueren literarischen Geschichte Zürichs eine gewichtige Rolle gespielt. Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs war es ein bedeutender Treffpunkt der emigrierten Literatinnen und Literaten, ein wahrhaftig europäischer Salon. Ein als Autor heute weitgehend vergessener Mann durfte sich Gastgeber nennen:

“Er sieht aus wie ein Hungerpastor, ist aber ein Intellektueller vom Scheitel bis zur Sohle, und keiner weiss, ob er nicht auch für ihn einen kleineren oder grösseren Pfeil im Köcher hat. Aber zutiefst innen ist er ein Liebender, Teilnehmender, Seismograph, der die Erschütterungen unserer Zeit verzeichnet und auf sie hinweist. Ein Verteidiger gefährdeten Menschentums.”

Aus: Alfred A. Häsler. Jeremias zu Besuch bei… (1965)

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Q: ticinarte.ch

Die Rede ist von Rudolf Jakob Humm (1895-1977), geboren und aufgewachsen in Italien, Studium der Physik in Göttingen und Berlin, Studium der Nationalökonomie in Zürich, wo er sich ab 1922 als Journalist und Übersetzer niederlässt. Verheiratet mit Lily Crawford, einer Malerin französisch-schottischer Abstammung. 1929 erscheint sein Debütroman “Das Linsengericht”, der von Hermann Hesse gelobt wird. Dieser, mit dem Humm seit da ein langer freundschaftlicher Briefwechsel verbindet, lobt Humm später als einen der “besten Prosaisten deutscher Sprache”. Obschon Werke wie “Die Inseln” (1936) oder “Carolin” (1944) eine breite Rezeption erfahren haben und er 1969 letztlich mit dem Zürcher Literaturpreis geehrt wurde, bleibt Humm als Romanautor kaum in Erinnerung. Grösser war sein Einfluss freilich als Gastgeber eines der wichtigsten Treffpunkte für Emigranten und Emigrantinnen.

Bis 1934 lebten die Humms am Stadtrand in der Werkbundsiedlung Neubühl in Zürich-Wollishofen. Diese zwischen 1930 und 1932 unter der Ägide der Architekten Rudolf Steiger, Max Ernst Häfeli und Werner M. Moser erbaute Mustersiedlung mit ihren senkrecht zur Strasse aufgestellten Flachdach-Wohnzeilen, die den Hügel hinauf gestaffelt sind, gilt als Inbegriff des neuen Bauens im Zürich der 1920er- und 1930er-Jahre. Die Bauten von Häfeli, Moser und Steiger prägen das Stadtbild von Zürich bis heute massgebend (Universitätsspital, Hochhaus zur Palme, Zett-Haus, Kongresshaus, …). Steiger, der Humm verschwägert war, wollte mit dem Neubühl einen “Reihenhaustyp für den Mittelstand” erschaffen, der oftmals propagandistische Wortführer der Bewegung, Siegfried Giedion, proklamierte in seiner Schrift “Befreites Wohnen” aus 1929 den neuen Haustyp: “leicht, lichtdurchlassend, beweglich”.

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Die Neubühl-Siedlung. Q: http://klimagerechtesbauen.blogspot.ch/

In diesem architektonisch hochmodernen Umfeld lebte bis im Herbst 1934 Rudolf Jakob Humm, umgeben von Emigranten und Emigrantinnen, die er in seinem schmalen Erinnerungsband “Bei uns im Rabenhaus” beschreibt. Noch waren es triste Zeiten für das geistige Leben. In den Zwanzigerjahren, schreibt Humm, befand sich Zürich “geistig in einem tiefen Schlaf”, war “(e)in Krematorium, ein Mausoleum” des Geistes. Erst die über Europa hereinbrechende Düsternis führt dazu, dass das literarische Leben Zürichs wieder erblüht. Rudolf Jakob Humm und Lily Crawford beziehen 1934 das Haus zum Raben am Limmatquai, wo bis 1938 regelmässig Lesungen und andere literarische Veranstaltungen stattfinden.

“Wir von meiner Generation mussten für etwas einstehen; wir konnten nicht nur träumen, wir mussten um uns schlagen.”

In erwähntem Erinnerungsband lässt Humm sie alle Revue passieren, die Gestalten – ob Ausländer, Rückwanderer oder Schweizer -, die im Rabenhaus verkehrten. Bekannte und weniger bekannte, umgängliche und umtriebige, geniale und bescheidene. Humms Erzählstil ist dabei anekdotisch, kann ebenso liebevoll wie verletzend sein, nimmt kein Blatt vor den Mund, ist der Wahrheit sicherlich nicht immer vollkommen verpflichtet, dafür stets von einer grossen Sympathie für die Dichter geprägt. “In Zürich hält man grosse Stücke auf die Wirte”, schreibt er, “aber sehr kleine auf die Dichter.” Daran wollte Humm etwas ändern, das literarische Zürich neu beleben – und er tat es. Therese Giehse ging hier ein und aus, Ignazio Silone, Ferdinand Lion, Arthur Koestler, der “anders dachte als die andern, wenn auch nicht wie die, die ihrerseits anders dachten”. Erika und Klaus Mann, die mit ihrem aus Deutschland vertriebenen Kabarettprogramm “Die Pfeffermühle” in Zürich hausierten waren Gäste, der Rückwanderer Adrien Turel, der Dichter Albin Zollinger, Else Lasker-Schüler, die “als Mensch ein kleines Greuel” war, und viele mehr. Über Zollinger schreibt Humm: “Wer weniger in der Wirklichkeit als in seinen Einbildungen lebt, mit dem ist der Verkehr nicht immer einfach”. Und über Carl Seelig, den Rezensenten und Vormund Robert Walsers, der eine ebenso wichtige Gestalt der Zürcher Literaturszene war: “‘Himmel, wenn du doch so gescheit wie gut wärst!’ Er war eben nicht gescheit.” Am nächsten stand Humm Friedrich Glauser, mit dem der Rabenhausvater ebenfalls einen ausführlichen Briefwechsel führte.

Humms Salon im “Haus zum Raben” war zu der Zeit nicht der einzige seiner Art in Zürich: an der Stadelhoferstrasse gab es den Salon Rosenbaum, weit oben am Zürichberg traf man sich bei Marcel Fleischmann an der Germaniastrasse, am Bellevue bei Emmie Oprecht, der Verlegergattin, und auf der anderen Seite des Seebeckens bei Lily Reiff an der Genferstrasse. Freilich darf das Rabenhaus, neben Wladimir Rosenbaums und Aline Valangins Salon, wohl als der wichtigste gelten. Als Humm 1963 seine Erinnerungen verfasste, lebte er im Glauben, das Haus zum Raben würde bald abgerissen. Im Zuge der Auseinandersetzungen mit den Besitzern musste Humm schliesslich ausziehen – das Haus aber steht noch heute. Rudolf Jakob Humm verstarb 1977 an den Folgen eines Verkehrsunfalls.

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Das Haus zum Raben am Hechtplatz.


Rudolf Jakob Humm. Bei uns im Rabenhaus.Literaten und Leute im Zürich der Dreissigerjahre. Neu hgg. v. Martin Dreyfus. Frauenfeld/Stuttgart/Wien: Huber 2002.

Rückblick: Bücher-Apéro Uitikon-Waldegg ZH 12. November

Gestern hatten wir wieder einmal Gelegenheit, Literatur nicht schreibenderweise, sondern live vor einem interessierten Publikum zu vermitteln. Anlässlich eines Bücher-Apéros in der bezaubernden Bibliothek von Uitikon-Waldegg stellten wir ein Dutzend handverlesene Neuerscheinungen aus den letzten Monaten vor.

An dieser Stelle möchten wir uns bei allen Gästen für ihre Anwesenheit und die spannenden Rückmeldungen bedanken. Besonderer Dank gilt dem Team der Bibliothek Uitikon für die Einladung, die ganze Organisation und das Bereitstellen des wunderbaren Apéros. Merci!

Es folgen ein fotografischer Querschnitt und die Liste der vorgestellten Bücher, inklusive weiterführenden Links zu unseren Rezensionen und den Verlagsseiten:

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Die vorgestellten Titel:

Autor Titel Verlag Links
Blum, Hila Der Besuch Berlin-Verlag Rezension Verlag
Couto, Mia Das Geständnis der Löwin Unionsverlag Rezension Verlag
DeFalco, Roberta Die trüben Wasser von Triest Pendo Verlag
Eggers, Dave Der Circle Kiepenheuer & Witsch Verlag
Grünberg, Arnon Der Mann, der nie krank war Kiepenheuer & Witsch Rezension Verlag
Hooper, Chloe Die Verlobung Liebeskind Verlag
Kremser, Stefanie Der Tag, an dem ich fliegen lernte Kiepenheuer & Witsch Rezension Verlag
Mengestu, Dinaw Unsere Namen Kein & Aber Rezension Verlag
Musso, Guillaume Vielleicht morgen Piper Verlag
Schlink, Bernhard Die Frau auf der Treppe Diogenes Rezension Verlag
Tesich, Steve Ein letzter Sommer Kein & Aber Rezension Verlag
Wolitzer, Meg Die Interessanten Dumont Rezension Verlag

Wir hoffen, dass alle Gäste mit neuen literarischen Inspirationen den regnerischen Nachhauseweg antreten konnten und freuen uns bereits auf ein baldiges Wiedersehen! 

Sonntagsleser: Blog-Presseschau 18.05.2014 (KW20)

Moin moin! Eine ergiebige Woche neigt sich ihrem Ende zu, es wimmelte in der grossen Blogosphäre nur so von lesenswerten Besprechungen, Interviews, Kommentaren, usw. Einige handverlesene Perlen möchten wir euch in diesem Beitrag ganz besonders ans Herz legen. 

Schaut wie immer auch bei der Bücherphilosophin vorbei, die die Aktion Sonntagsleser ins Leben gerufen hat. 

Nun wünschen wir viel Spass beim Stöbern und einen wundervollen Sonntag!

bookspress

Auf Fixpoetry fand sich eine schöne Besprechung von Alba Arikhas “Wörterbuch einer verlorenen Welt”. Es ist dies eine autoiographische “Adoleszenzgeschichte im Paris der Achtzigerjahre”, es geht um das überwinden der altbekannten Hürden, Loslösung von den Eltern, Entdecken der eigenen Persönlichkeit. Und grosse literarische Prominenz tritt auf: Albas Patenonkel war Samuel Beckett.

Literaturen bespricht Christoph Werners “Marie Marne und das Tor zur Nacht”, “ein hochaktuelles Märchen, das einen bis in seine Träume hinein verfolgen kann.” Ein Jugendbuch im Stile von Michael Ende, mit dystopischen Anklängen und wohl altersgerecht verpackter Gesellschaftskritik. Klingt sehr spannend!

Packing books from boxes hat sich “Bäume reisen nachts” von Aude Le Corff gewidmet. Ein Buch über die Liebe zu Büchern, ein Buch aber auch über die Freundschaft und das Wissen darum, dass Leid wie auch Freude nur geteilt ihre volle Wirkung entfalten. Auch dies klingt verlockend und wandert auf der To-read-Liste weit nach oben.

In gewohnt ausführlicher und perfekt informierter Weise hat sich aus.gelesen eines bekannten Werks angenommen: “Der Amoklöufer” von Stefan Zweig. Eine temporeiche Novelle, deren Stärke darin liegt, die Verzweiflung seines Protagonisten quasi mit den Händen greifbar zu schildern, so plastisch und eindringlich, so einfühlsam auch. “ 

Mit  dem Roman “Unternehmer” ist er derzeit in aller Munde, auf Buzzaldrin’s Blog nun auch im Gespräch: das Interview mit dem deutsch-polnischen Autor Matthias Nawrat dreht sich um die Tücken des Schreibens in der Zweitsprache, den neuen Roman und die Stellung des Jungautors im Literatubetrieb. Sehr interessant!

Zuletzt der Hinweis auf eine wunderschöne, mit vielen treffenden Beispielen aus Literatur und Popkultur geschmückte Ode an den Brief bzw. die Brieffreundschaft, die auf Sätze und Schätze zu finden ist. Da wird einem richtig um’s /Hand-)Schreiben zumute!


Weitere Sonntagsleser:

Der Roman ist tot. Zu einem Text von Will Self.

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Der Besprechung von Will Selfs neuem Roman “Regenschirm”, die in Kürze hier zu finden sein wird, möchte ich heute schon den Hinweis auf einen kürzlich publizierten Artikel des Autos vorausschicken:

Unter dem Titel “The novel is dead (this time it’s for real)” druckte The Guardian einen verwirrenden, kontroversen Text von Will Self ab, der das Ende der Gattung Roman verkündet. Seine Reiter der Apokalypse sind Kindles, iPads und andere elektronische Lesegeräte, die aufgrund ihrer Internetverbindung die Leser angeblich von ihrer Konzentration auf einen Text abhalten und zu endlosem Surfen in den Weiten des Netzes verleiten . Aus diesem Grunde beschwört er das Ende des Romans herauf.

“There is one question alone that you must ask yourself in order to establish whether the serious novel will still retain cultural primacy and centrality in another 20 years. This is the question: if you accept that by then the vast majority of text will be read in digital form on devices linked to the web, do you also believe that those readers will voluntarily choose to disable that connectivity? If your answer to this is no, then the death of the novel is sealed out of your own mouth.”

 

Viele Leser und Leserinnen, die Kommentare abgegeben haben waren nur schon durch Selfs kompliziertes, fremdwortreiches Englisch abgeschreckt. Doch auch wenn man sich – Wörterbuch stets zur Hand – durch den dichten Sprachdschungel gekämpft hat, bleibt der Artikel konfus, die Aussagen nur schwer nachvollziehbar. Und weil sich Self dann auch noch erlaubt, einen Doktoranden, dessen Dissertation er betreut hat, blosszustellen, mischt sich zuletzt gar eine gewisse Antipathie gegenüber dem Autor mit in die Lektüre.

Es ist nichts Neues, dass die britische Leserschaft alles, was Self sagt und schreibt sehr kritisch betrachtet. Er ist einer, der polarisiert. Einer, dessen Meinungen häufig nicht akzeptiert und noch häufiger gar nicht verstanden werden. 2011 äusserte sich dazu der irische Regisseur Graham Linehan auf Twitter:

Mit diesem diskussionswürdigen Artikel im Hinterkopf geht es nun an die Lektüre des fünfhundertseitigen Romans, der in deutscher Fassung dieses Jahr bei Hoffmann & Campe erschienen ist. Ich gebe es gerne zu: ich habe eine gedruckte Version des Textes vor mir liegen. Gebunden, Hardcover, Schutzumschlag, Papier: ein sogenanntes Buch, ja. Will Self, in einem kurzen Wüten gegen die Literaturkritik, unterstellt in seinem Artikeln den Kritikern eine “inability to think outside of the papery prison within which they conduct their lives’ work”. Danach zitiert er dazu Marshall McLuhans “Die Gutenberg-Galaxis: Das Ende des Buchzeitalters” aus 1962.  An dieser Stelle enthalte ich mich eines weiteren Kommentars, möchte Feuer nicht mit Feuer bekämpfen – eine Diskussion aber anregen:

Was denkt ihr? Sind mit dem Internet verbundene Lesegeräte wie iPad, Kindle usw. tatsächlich eine Bedrohung für die literarische Gattung Roman? Oder ist Selfs These, dass der Tod des Romans besiegelt sei, sofern Leser nicht freiwillig die Internetverbindung trennten, komplett an den Haaren herbeigezogen?

Sonntagsleser: Blog-Presseschau 04.05.2014 (KW18)

Seid gegrüsst, Pflüger und Pflügerinnen sonntäglicher Blogäcker! Wir haben für euch wie gewohnt – ab wann spricht man eigentlich von einer Tradition? – einige Artikelperlen der letzten Woche aus den Weiten des WWW gepflückt und hoffen, dass für jeden und jede etwas Anregendes und noch Ungelesenes dabei ist.

Habt einen schönen Sonntag!

bookspress

 

Literarisches Politikum der Woche war Jochen Hiebers Artikel über Siegfried Lenz‘ „Deutschstunde“ in der FAZ . Mit Recht ist dieser vor geradezu absurden Vorwürfen strotzende Text auf grosse Kritik gestossen: Gregor Keuschnig von Begleitschreiben hat sich kurz, aber sehr treffend dazu geäussert  und  Michael Schikowski von Deutschlandradio  wird noch deutlicher, nennt Hiebers Argumentation „misreading mit Vorsatz“ .

Nadine Hemgesberg von Literatur und Feuilleton mokiert sich  herrlich über das Gespräch zwischen Pharrell Williams und Oprah Winfrey über Coelhos „Der Alchimist“.

„Ein sehr unterhaltsames Global-Pop-Märchen“ sei Romain Puértolas vom Verlag heftig beworbener Roman „Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem IKEA-Schrank feststeckte“, heisst es auf Deep Read. Und es springen darin garantiert keine Hundertjährigen zum Fenster raus.

Von einer interessanten Entdeckung liest man bei Wolfgang Schiffer auf Wortspiele:  die Gedichte der Wiener Autorin Melitta Urbancic, die im Zweiten Weltkrieg auf Island einen Zufluchtsort gefunden hat, erscheinen in einer deutsch-isländischen Ausgabe : „ ein großes menschliches wie literarisches Dokument über das Trauma der Vertreibung, den Verlust von Heimat und Sprache, die Sorge um die Zurückgelassenen“

Das graue Sofa widmet sich mit einer ausführlichen, interessanten Besprechung Birgit Vanderbekes „Der Sommer der Wildschweine“ 

Auf dem immer wieder interessanten geographisch-literarischen Blog “Leo’s literarische Landkarten” wird Otto Zierers “Aussaat im Erdkreis” besprochen. Dabei handelt es sich um Band 4 der megalomanischen Weltgeschichte des Autors (44 Bände). Das klingt nach einer spannenden Angelegenheit für Freunde der historical fiction: “Der Autor nimmt originale Dokumente und Zitate und bindet sie in eine Handlung ein. Die Grenze zwischen dem erfundenen und dem nicht erfundenen Stoff verwischt. “

Auch ein richtig von Herzen kommende Verriss darf mal sein: Die Bücherphilosophin, die im Übrigen auch Urheberin der Sonntagsleser-Aktion ist, ist so gar nicht überzeugt vom Können und der Lernfähigkeit des Alexander Maksik und dessen Roman „Sein oder Nichtsein“. 


Weitere Sonntagsleser:

Sonntagsleser: Blog-Presseschau 27.04.2014 (KW17)

Die siebzehnte Kalenderwoche neigt sich ihrem regnerischen Ende entgegen: Grund genug, sich die gebloggten Sonnenseiten der letzten sieben Tage vorzunehmen. In unserer heutigen Presseschau möchten wir wiederum auf einige Perlen hinweisen, die die Literaturblogs letzte Woche hergaben.

Stattet auch der Bücherphilosophin, die die ‘Sonntagsleser’-Aktion ins Leben gerufen hat, einen Besuch ab.

Wir wünschen Euch  viel Lesefreude und einen entspannten Sonntag!

 

bookspress

 

Zunächst zu einem Geburtstag: good old Willy Shakespeare hätte am 23. ((vermutlich) seinen vierhundertfünfzigsten begiessen dürfen. Unzählige Artikel zeugten davon, dass die Faszination des englischen Dichters nach wie vor ungebrochen ist. Auf zwei spannende Artikel möchte ich hinweisen: Das Friedrich Schiller Projekt klärt erstens darüber auf, was Schiller von Shakespeare dachte, stellt zweitens einige interessante Bücher zum Thema vor. Der Blog Sätze und Schätze, der sich schon das ganze Jahr immer wieder Shakespeare widmet, hat sich diesmal auf “Sonett 18” konzentriert – und liefert dazu auch die wundervolle Vertonung von Bryan Ferry.

Rezensionen:

Buzzaldrin’s Blog hat  sich in “Wir Erben” von Angelika Reitzer vertieft, einen “Roman über den Wunsch danach, einen Platz im Leben zu finden.” Auch wenn die Rezensentin nicht restlos überzeugt ist, macht die Besprechung gehörig Lust auf dieses Buch.

Auf Literaturlese bespricht Birgit Knape kritisch das Buch “Leuchtfeuer” von Donna Morrissey, den zweiten Band einer Trilogie um die Figur Sylvanus Now. Die Rezensentin meint, deutschen Leser könnte dieses karge Buch vielleicht schwerer fallen, es werde eine “seelische Kargheit” vermittelt, von der die Figuren befallen seien. Das Interesse wird allemal geweckt.

Alles andere als leichten Stoff hat man sich bei Valeat vorgenommen: der Roman “Die Strasse” von Andreas Maier handelt von einer deutschen Kindheit in den 1970er-Jahren. Hier wird “in schauriger Wucht der tiefe Morast der Pädophilie, des Missbrauchs von Kindern, für den es keine Sprache gibt” beschrieben.

Feiner reiner Buchstoff liefert eine ausführliche Besprechung des hochgelobten amerikanischen Romans “Die Kunst des Feldspiels” von Chad Harbach. “Anfangs als Sportroman getarnt, entpuppt sich Die Kunst des Feldspiels – was für ein Titel! – als eine Geschichte über Zusammenhalt, Schwäche, Stärke und das, was man im wahren Leben manchmal auch braucht: Duchhaltevermögen, Standhaftigkeit und – Freunde.”

 

Schliesslich teilte Marion Alexa Müller auf ihrem Blog einen tollen “Poetry-Clip” von David Wonschewski und dessen Entstehungsgeschichte. Bild und Text in diesem Clip ergänzen sich hervorragend!


Weitere Sonntagsleser:

 

Sonntagsleser: Blog-Presseschau 20.04.2014 (KW16)

Während’s draussen heftig ostert, überall Hasen und Schokolade regnet, haben wir  Sonntagsleser euch blogmässig die Eiersuche schon abgenommen. Unsere allwöchentliche Selektion lesenswerter Rezensionen findet ihr hier.

Wir wünschen viel Spass beim Stöbern, einen schönen Sonntag und natürlich weiterhin frohes Osterfest!

bookspress

Kritisch betrachtet der immer lesenswerte Blog Fixpoetry Matthias Nawrats „Unternehmer“, eine „Parabel auf die Geschäftswelt, tagtägliche Ausbeutung und erdrückende Arbeitsbedingungenrabel auf die Geschäftswelt, tagtägliche Ausbeutung und erdrückende Arbeitsbedingungen“

Auf Literatur und Feuilleton bespricht Lina Brünig Robert Gwisdeks Roman „Der unsichtbare Apfel“. Schauspieler, Musiker, Autor Gwisdek reflektiere hier unter anderem die Frage „die Frage, inwiefern man die eigene Wahrnehmung und das Bewusstsein überhaupt begreifen kann“
Sätze und Schätze widmet sich „Der Dschungel“ von Upton Sinclair, Original 1906, zuletzt 2013 beim europa verlag neu aufgelegt. Es ist ein erstaunlich aktuelle Geschichte, recherchiert damals in den Schlachthöfen Chicagos. „Pferdefleisch im Fertigfutter“: da klingelt doch auch dato 2014 was.

Drüben bei aus.gelesen hat man sich Christoph Schlingensiefs “So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein” angenommen, dem Tagebuch seiner Krebserkrankung. Eine Fundgrube sei das Buch, für jene, die sich für die Person Schlingensief interessierten – dann wiederum aber  in Bezug auf den Prozess einer Erkrankung und später eines Sterbens unergiebig”. 

Eine differenzierte Besprechung von David Levithans „Letzendlich sind wir dem Univesum egal“ gibt’s auf Bücherchaos. Da geht es um einen Protagonisten A, der jeden Morgen in einem anderen Körper aufwacht, dabei aber immer ‘sich selbst’ bleibt – und sich plötzlich verliebt.

Der Buchwolf widmet sich dem Comic “La tectonique des plaques” von Margaux Motin, die “eine Meisterin ihres Fachs” sei. Eine sehr ausführliche, präzise und lehrreiche Besprechung!