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Von brennenden Dackeln und schmerzenden Molaren: Günter Grass – “örtlich betäubt” (1969)

Intellektuell verstiegenes Manifest eines sozialdemokratischen Biedermanns oder Zeugnis literarisch reflektierter Reife? “örtlich betäubt” war Günter Grass’ erster Roman nach der vielerorts umjubelten Danziger Trilogie (“Die Blechtrommel”, 1959; “Katz und Maus”, 1961; “Hundejahre”, 1963). In ihm finden wir heute nicht nur das anregende Zeugnis einer Zeit, als Literatur, Kritik und Politik noch enger verschränkt waren als heute, sondern auch ein faszinierendes literarisches Dokument und einen oftmals übergangenen Meilenstein im Leben und Schaffen seines Autors.

Für “örtlich betäubt” verliess Grass den Schauplatz der Trilogie und rückte in Westberlin ein. Er verliess das generationenweit unter den Röcken der Grossmutter ausholende Erzählen und gab stattdessen der Gegenwart den Vorrang. Er missachtete das, was in der “Danziger Trilogie” die Glorie des Romans betonte, und versuchte sich an einer manchmal ziemlich fordernden stilistischen Collage. Er war nun nicht mehr der Revolutionär, den manch ein Kritiker in ihm gesehen haben mag, sondern der gezähmte Widerspenstige, der biedere Sozialdemokrat.
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Veröffentlicht 1969, auf dem Höhepunkt von Grass’ persönlicher politischer Aktivität, ist der Roman einerseits Aufarbeitung von politischer Kritik, andererseits intellektuelles Plädoyer gegen die revolutionäre Tat.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht, als erzählendes Ich, der Lehrer Eberhard Starusch: in seinen Vierzigern, zum Studienrat “für Deutsch und also Geschichte” umgepolter Jugendbandenführer, einst Maschinenbaustudent mit geplanter Karriere im Zementgewerbe. In seinem gegenwärtigen Umfeld beschäftigt ihn vor allem der Schüler Philipp Scherbaum und dessen Planen, seinen Dackel Max auf dem Kurfürstendamm vor den tortenspachtelnden Damen in den Kaffeehäusern bei lebendigem Leib in Brand zu setzen: ein Zeichen gegen die Napalm-Verbrechen im fernen Vietnam. Staruschs mit Vernunftargumenten gestützte Resignation gegen Scherbaums von Angst gelenkten Willen zur Tat – dies ist der zentrale Konflikt des Romans. Den Sieg, das sei vorweggenommen, trägt die Resignation davon:

“Auch Scherbaum wird zu einem stehenden Gewässer. Da ihn die Welt schmerzt, geben wir uns Mühe, ihn örtlich zu betäuben. (Am Ende werden der Elternrat und das Lehrerkollegium den Schülern eine Raucherecke bewilligen, genau abgezirkelt hinter dem Fahrradschuppen.)”

Die Ironie liegt in “örtlich betäubt” stets offen zutage: Wie soll einer in Westberlin ein Zeichen gegen die Kriegsverbrechen in Südostasien setzen können, wo es doch schon schier unmenschlicher Anstrengungen bedarf, im Schulhaus eine Raucherecke bewilligt zu bekommen?

Das entmutigte Aufgeben hochtrabender revolutionärer Pläne zugunsten des gleichgültigen Lebens derer, die “schon alles hinter sich haben” steht im Mittelpunkt. Die reformistischen Tendenzen stiessen vielen deutschen Rezensenten sauer auf: Hellmuth Karasek schrieb in der Zeit: “Das Buch gibt Pfötchen, anstatt die Zähne zu zeigen.”, Rolf Becker im Spiegel beklagte Grass’ Verlust der “drastischen Konkretionen seiner Erzählphantasie und Sprachlust”, die ersetzt würden durch argumentativ gegen die Ideologie anschreibende Prosa.

Der Dialog Starusch – Scherbaum bildet nicht das einzige Streitgespräch des Romans. In der Person der Lehrerin Irmgard Seifert tritt eine ehemals dem Nazi-Regime verschriebene Person auf, die ihr Leben der Frage widmet, ob es für sie jemals Erlösung geben kann; Staruschs ehemalige Verlobte Sieglinde Krings tritt als Figur in imaginären Szenarien des Erzählers in Erscheinung, während derer sie ihren unbelehrt aus der russischen Kriegsgefangenschaft zurückgekehrten Vater, zur Vernunft zu bringen sucht; und Vero Lewand letztlich, Scherbaums Freundin, fungiert als kompromisslose Revolutionärin, die sich allen Anpassungsreden Staruschs verweigert.

Die unterschiedlichen Erzählebenen überlappen sich ständig – eine Unterscheidung zwischen fiktiven, sich im Kopf des Erzählers abspielenden Ereignissen und tatsächlichen Geschehnissen der Geschichte fällt bisweilen schwer. Die Rahmung des Ganzen bilden Staruschs Besuche bei und Telefongespräche mit seinem philosophisch bewanderten Zahnarzt, der die “grosse allesumfassende Weltkrankenfürsorge, die uns nicht regiert, sondern versorgt, die uns nicht ändern will, sondern wird, die uns, wie schon Seneca sagt, Musse für unsere Gebrechen schenkt” predigt. Er wird zunehmend zur ersten und wichtigsten Vertrauensperson des Studienrats.

Die überstrapazierten Zahnschmerz-Metaphern, die zuweilen vielleicht etwas intellektuell verstiegenen theoretischen Reflektionen, die anbiedernde Quintessenz: all dies hat dem Roman zur Zeit seiner Erstveröffentlichung teils scharfe Kritik eingetragen (Dies, notabene, vor allem in Deutschland. In den USA etwa wurde der Roman frenetisch gefeiert, Grass schaffte es 1970 gar als erster deutscher Literat nach dem Krieg auf die Titelseite des Times-Magazins, Untertitel: “A Man Who Can Speak To The Young”).

Aus meiner heutigen Perspektive – der Perspektive eines Mitteleuropäers, der 1969 noch nicht auf der Welt war – erscheint “örtlich betäubt” als stilistisch irritierendes, aber hochinteressantes sozio-politisches Stimmungsbild eines zeitlich und örtlich bestimmten Milieus (Westberlin 1969), dessen Behandlung zentraler Konflikte aber durchaus auch für die heutige Zeit brauchbare Anregungen bietet. Gerade die Fragen nach Sinn oder Widersinn revolutionärer Taten und der angemessenen Reaktion auf nur aus der Ferne wahrgenommene Greuel scheinen mir 2016 ebenso dringlich und relevant.

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Rezension: Anna-Katharina Hahn – Das Kleid meiner Mutter (Suhrkamp, 2016)

Magischer Realismus? Schwarze Romantik? Künstlerroman? Generationenportrait aus der Zeit der Eurokrise? Die deutsche Autorin Anna-Katharina Hahn, die gemäss Homepage ihres Verlags als “eine der wichtigsten Erzählerinnen ihrer Generation” gelten soll, versucht sich in ihrem neuen Roman “Das Kleid meiner Mutter” an abenteuerlichen Genrekapriolen, leuchtet dabei stellenweise strahlend – scheitert zuletzt aber grandios.
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Zu Beginn begegnen wir Anita, einer jungen Spanierin, arbeitslos wie so viele aus ihrer Generation. Gemeinsam mit ihrer Freundesclique, die sich “La Plaga” nennt, hängt sie in den Parks von Madrid, trinkt, demonstriert gegen die unsäglichen Zustände in Spanien. Ihr Bruder Angel, ein Germanist, ist dem spanischen Unheil nach Deutschland entflohen, wo er jedoch nicht als Dozent, sondern auf einer Baustelle sein Geld verdient und es nach Hause schickt. Weil sie kein Geld mehr hat, lebt Anita bei den Eltern Oscar und Blanca. Eines Tages kehren die Eltern krank von einem Ausflug zurück, legen sich ins Bett und sterben. Und nun?

Zufällig bemerkt Anita, dass sie lediglich in das titelgebende Kleid ihrer Mutter zu schlüpfen braucht, um selbst von alten Bekannten für Blanca gehalten zu werden. Sie verschweigt den Tod der Eltern vorerst selbst den Freunden und dem Bruder und stürzt sich, kostümiert, in das Leben ihrer Mutter, über die sie weniger gewusst zu haben scheint, als sie dachte. Spätestens, als sich auf Blancas Handy ein mysteriöser Liebhaber namens “R.” meldet, verstrickt sich Anita hoffnungslos im Netz der dunklen Geheimnisse ihrer Eltern.

Alle Fäden scheinen in einem obskuren deutschen Schriftsteller zusammenzulaufen, der unter dem Namen Gert de Ruit grossen literarischen Ruhm geniesst – ohne dabei je in der Öffentlichkeit aufzutreten. Es existiert lediglich eine einzige alte Fotografie des Autors. Es beginnt die Entwirrung eines Rätsels – wobei die Autorin es unterlässt, ihre Erzählerin auf eine detektivische Spurensuche zu schicken: alle relevanten Hinweisen kommen ihr schliesslich in einem dicken braunen Umschlag mit Aufzeichnungen verschiedener Personen wie zugeflogen.

“Das Kleid meiner Mutter” beginnt als durchaus packender Generationenroman über die perspektivlose Jugend Spaniens im Nachklang der Eurokrise, als detailhaltiges Portrait der Ängste, Sorgen und Hoffnungen einer Gruppe junger Menschen. Mit dem Erzählstrang um den unsichtbaren Schriftsteller De Ruit, der im Übrigen nicht lange unsichtbar bleibt, sondern bald schon auftaucht und nicht einmal halb so geheimnisvoll ist, wie vermutet, entwickelt Hahn eine neue Dimension. Bald schon kommen weitere dazu: es taucht die spanische Übersetzerin De Ruits auf, es taucht der Verleger auf, es tauchen De Ruits Eltern auf und die Geschichte seiner Kindheit in der Nazizeit wird zum Thema.

Es bedürfte einer unglaublichen erzählerischen Finesse, um all diese Erzählstränge (auf lediglich dreihundert Seiten!) geschickt auszubalancieren und zu einem zufriedenstellenden Ende zu bringen. Während die Balance bisweilen noch klappt, muss die Auflösung als vollkommen unbefriedigend bezeichnet werden. Man spürt förmlich, wie zerfahren das Ganze plötzlich geworden ist, wie unübersichtlich, ja unauflösbar. Alles gipfelt in einer kitschig-sentimentalen Schlussszene, in der der Versuch unternommen wird, die gesamte Geschichte aus der Ebene des Realistisch-Bedrohlichen auf die Ebene des Metaphorisch-Übertragenen zu hieven. Das in der Szene aufgerufene Bild soll aussagen: die Vergangenheit ist nun abgeschlossen, die Zukunft kann beginnen – die offenen Fragen des Lesers aber sind zahllos, etliche Figuren verschwinden wortlos, so dass am Ende wieder nur Anita und ihre Clique zu existieren scheinen…

Der berühmt-berüchtigte Kritiker Denis Scheck meint, das Buch entfalte “ein großes europäisches Tableau, ein romantisches Welttheater”. Das ist nicht nur unsäglich pathetisch, sondern auch rein topographisch allzu weit gefasst: “Das Kleid meiner Mutter” spielt zum grössten Teil im Spanien der Gegenwart und im nationalsozialistisch regierten Deutschland. Es hat Ansätze eines aufregenden und relevanten sozialkritischen Romans (vielleicht im Stile eines Rafael Chirbes), es hat Ansätze zu einem hochspannenden Versteckspiel mit einem dunklen und gefährlichen Unsichtbaren, es hat auch Ansätze zu einer grotesken Farce über den Literaturbetrieb. Letztlich aber wirken all diese Ansätze etwas beliebig zusammengewürfelt. Auch wenn verschiedene Passagen faszinierende Gedankenspiele in einer unfasslichen Zwischenwelt von Realität und Fiktion erlauben, bleibt ein schaler Beigeschmack. Momenten der Magie folgt der Frust eines unfertigen Werks.

Hahn, Anna-Katharina. Das Kleid meiner Mutter. Suhrkamp 2016. 311 S., gebunden m. Schutzumschlag. 978-3-518-42516-9

Rezension: Tom Appleton – Hessabi (Czernin-Verlag, 2016)

Beinahe siebzigjähriger Autor debütiert mit den Lebensansichten eines Teenagers. Kann das gut gehen? Im Falle von Tom Appletons „Hessabi“ ist das Experiment, mit einigen wenigen Abstrichen, geglückt.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht Adam Hessabi, ein Deutscher persischer Abstammung, der auf seine Jugend in Bonn, Heidelberg und anderen deutschen Städten und Städtchen zurückblickt. Er erzählt acht turbulente Jahre seiner Jugend, namentlich die Zeit von 1960 bis 1968.

Adam lebt mit seiner Familie in Bad Godesberg. Diese Familie steht zunächst einmal im Mittelpunkt des Interesses: der Vater ein dicker, etwa siebzigjähriger Mann, der nichts von sich preisgibt – Adam ist es ein Rätsel, welcher Arbeit dieser Vater nachgeht; die Mutter ist eine trinkende und kettenrauchende Irre, die ihr gesamtes Umfeld mit widerwärtigsten Flüchen belegt und hin und wieder in eine geschlossene Anstalt überführt werden muss; und dann ist da noch der kleine Bruder, Bahador, in Adams Augen ein schmieriger Widerling, der nur auf seinen eigenen Profit bedacht ist. Von Beginn weg steht diese Familie im Zentrum des Geschehens, verbunden mit der ungeklärten Frage nach Adams Herkunft. Dieser nämlich hegt den Verdacht, seine Eltern seien gar nicht seine Eltern… Und dann tauchen immer wieder an seltsamen Ecken Deutschlands angebliche Verwandte auf, deren Existenz nur noch mehr Fragen aufwirft…

Ebenfalls zentral für die Erzählung werden bald Adams Rekapitulationen seiner mehrheitlich schlechten Erfahrungen mit dem deutschen Schul- und Internatssystem. Sadistische Willkür der Lehrpersonen und rassistische Stereotypen machen Adam das Leben schwer. Er muss häufig Klassen wiederholen, seine Anstrengungen werden zu oft nicht gewürdigt. Mitschüler und Lehrpersonen gleichermassen zerren an seinem klapprigen Nervenkostüm.

“Was die Schule betrifft, so war vom ersten Tag an alles klar. “Du Deutsch sprechen? Woher du kommen?” – “Leck mich am Arsch, ich bin aus Godesberg.” Ich war vielleicht der Jüngste im Lehrlingsheim, aber ich war der Älteste in meiner Schulklasse. Ich kam mir vor wie der Dorfidiot, der siebenmal sitzen geblieben ist und mit lauter Kleinkindern in der ersten Reihe sitzt.”

Befriedigung findet er vorab ausserhalb der Schule. Zunächst in der Musik, in den Songs, die er schreibt und von denen – so mindestens Adams Behauptung, die sich wie ein roter Faden durch den Text zieht – früher oder später viele unter anderem Namen, nur leicht abgeändert bei den Beatles landen, deren Erfolgsgeschichte in den frühen Sechzigerjahren gerade beginnt.

Und dann lernt er im Internat in Heidelberg die Amerikanerin Lucy kennen, die vermeintliche Liebe seines Lebens, die ihn in die Höhen und Tiefen amouröser Verstrickungen einführt. Einer Zukunft in trauter Zweisamkeit aber stehen etliche Hindernisse im Weg, die kaum überwindbar scheinen. Zumal auch die Familie ihre Vorstellungen davon hat, wie (oder eher: wen) ein junger Perser zu lieben hat. „Hessabi“ ist nicht nur die Geschichte eines jungen Persers auf der Suche nach seiner Herkunft; es ist nicht nur die Geschichte eines hellsichtigen Songwriters, dem die Musik ein ums andere Mal das Leben rettet; es ist auch die Geschichte eines jungen Mannes, der die Liebe entdeckt und von ihr Mal für Mal überrumpelt wird.

Tom Appleton gibt Adam Hessabi eine unverblümte Plauderstimme ohne Hemmungen, deren bevorzugtes Stilmittel die Anekdote ist. Mit reichlich Sprachfantasie begabt unternimmt der Erzähler eine Tour-de-Force durch eine oftmals problematische Jugend. Seine Rache an denen, die ihm das Leben schwer gemacht haben, nimmt er mit Worten von aggressiver Ironie. Obschon im tumultuosen Schlussteil bisweilen der Eindruck entsteht, es handle sich lediglich noch um eine Aneinanderreihung verschiedener Sex-Episoden, ist Appleton ein insgesamt höchst unterhaltsames Debüt gelungen, das die private Geschichte einer Jugend auch geschickt mit welthistorischen Ereignissen verknüpft.
Ein kleiner Wermutstropfen freilich bleibt: die Rätsel um die familiären Ursprünge bleiben auch zum Schluss weitgehend ungelöst; es ist der Fantasie der Leser überlassen, diese Geschichte zu Ende zu dichten.

Appleton, Tom. Hessabi. Wien : Czernin, 2016. 412 S., gebunden m. Schutzumschlag. 978-3-7076-0569-3

Eine Genrekritik mit: Friedrich Ani – Der einsame Engel (Droemer, 2016)

Vor der Produktivität Friedrich Anis kann man eigentlich nur den Hut ziehen: neben 5 Lyrikbänden, 7 Jugendromanen, etlichen Drehbüchern und diversen Krimis mit unterschiedlichen Ermittlern hat der deutsche Autor seit 1998 nicht weniger als 20 Kriminalromane mit dem Ermittler Tabor Süden veröffentlicht. Das sind beinahe Simenon’sche Ausmasse.  Es stellt sich die Frage: Leidet unter dieser Quantität die Qualität?  Und in der Tat: die Lektüre des neusten Tabor-Süden-Romans “Der einsame Engel” gibt Anlass zu einer Genrekritik.
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Er ist etwas über fünfzig, Einzelgänger, Getriebener, trinkt zu viel, wird die Gedanken an seinen verstorbenen Ex-Partner bei der Kripo nicht los, ist eigensinnig, manchmal unzuverlässig, hat hin und wieder eine Affäre und stellt immer die richtigen Fragen. Dieses Kurzprofil charakterisiert bei weitem nicht nur Tabor Süden, sondern eine grosse Anzahl von Detektiven, Ermittlern, Kommissaren aus einschlägigen Krimireihen, sei es nun in Buch-, Film- oder Fernsehform. Zielgruppenorientiertes Schreiben, könnte man sagen. Oder kritischer: Klischees bedienen.

Tabor Süden, der als Ich-Erzähler des Romans auftritt, ist glaubhaft in seiner Rolle: das liegt an Anis zurückhaltender Sprache, an seinen lebhaften Dialogen, an der derben Ehrlichkeit der Gefühle. Aber: diese Dialoge, diese Gefühle sind letztlich nichts als ein aus Stereotypen massgeschneidertes Konstrukt für den Krimimarkt. Von einer Figur, die bereits zwanzig Romane auf dem Buckel hat, wünschte ich mir mehr Tiefe und komplexere Beziehungskonstellationen.

Dafür aber scheint das Format nicht gemacht, schliesslich muss auf den knapp 200 Seiten des Romans noch ein Fall gelöst werden (Auch dies scheint ein unabdingbares Element des Krimis zu sein – gibt es Alternativen?). Der Fall, den Friedrich Ani – ein Autor, der sich ausschliesslich Vermissten und Verschwundenen widmet – in “Der einsame Engel” aufrollt, ist klug konstruiert, nimmt überraschende Wendungen und führt in ein waghalsiges moralisches Dilemma, mit dem der Leser zum Schluss allein gelassen wird. So weit, so gut. Doch es bleibt auch hier ein bitterer Nachgeschmack: die überhastete, wie in vielen Krimis auf sehr wenigen Seiten dargebotene Auflösung des Falls und das anschliessende James-Bond-artige Entfliehen der Hauptfigur in eine hoffnungsvolle Schlussszene (natürlich mit einer Frau an seiner Seite), die für den Beginn eines neuen Lebens stehen könnte (dies aber aller Wahrscheinlichkeit nach nicht tut) – das sind wiederum Stereotypen, die sich mit Leichtigkeit umschiffen liessen.

Er habe gelernt, “jedem Menschen jede Verwerfung zuzutrauen, weit über dessen Selbsteinschätzung hinaus” (162), sagt Süden einmal. Solche Einsichten philosophischer Art, die vom Tagesgeschehen des Kriminalfalls hinauf führen in den Diskursraum des Moralischen, Ethischen, Menschlichen, bleiben leider eine Seltenheit. Gerade weil die Sprache des Autors mit ihrem Hang zum Derben, zum von keiner Theorie Verklärten, zum Gossenpoetischen von einer sehr hohen Qualität ist, wäre es wünschenswert, ihr und den von ihr gezeichneten Figuren mehr Raum zum Atmen und Entwickeln zu geben.

Die Simplizität eines Kriminalfalls – ein Mensch verschwindet und niemand scheint zu wissen, wo er ist – ist noch lange kein Grund, auch die Erzählung des Falls so simpel wie möglich zu gestalten. Aus den einfachsten Dingen – und das ist in beinahe allen grossen Werken der Literatur der Fall – lassen sich bisweilen die fantastischsten Gedanken extrahieren.

Es ist an der Zeit, dass das Genre des Kriminalromans sich seiner privilegierten Position bewusst wird und (wieder) anfängt, Weltliteratur zu produzieren.

Ani, Friedrich. Der einsame Engel. Ein Tabor Süden Roman. München: Droemer. 208S., gebunden m. Schutzumschlag 978-3-426-28147-5

Rezension: Sigrun Casper – Der Wortjongleur (konkursbuch, 2015)

Mit “Der Wortjongleur” erfindet die arrivierte deutsch Autorin Sigrun Casper ihrem guten Freund, dem frühverstorbenen Dichter Mario Wirz (1956-2013), eine mögliche Kindheit. Ein berührender Roman über unüberwindbare Vorurteile, unauffindbare Vergangenheiten und die Suche nach dem treffenden Wort.

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Kilian Schelk heisst die Figur, die Mario Wirz’ Inkarnation im Kindesalter sein könnte: In den späten Fünfzigerjahren lebt er mit seiner Mutter Marianne (das wäre dann Anne-Marie Wirz) und der bösartigen Grossmutter in einem abgelegenen Haus. Der Grossvater, ein gewichtiger NS-Funktionär, hatte es im Zweiten Weltkrieg, der seit einigen Jahren vorbei ist, “zum Repräsentieren” gebaut. Kilians Schwester Miriam ist 14 Jahre älter, wohnt mit ihrem Ehemann in Berlin. Ihr Vater ist im Krieg gestorben, während die Identität von Kilians Vater, eine einmalige Affäre der Mutter, ihm vorenthalten bleibt.

Kilian ist früh bereits sprachbegabt, er ist “der eigenwillige Junge, der sich so ungewöhnlich klar und originell auszudrücken versteht”. Als die Grossmutter Mitte der Sechziger Jahre stirbt, müssen Mutter und Sohn das Haus verlassen und werden vom Sozialamt in eine Wohnung in einer Metallarbeitersiedlung gewiesen. Hier ist Kilian für viele nur der “Bankert”, also das uneheliche Kind. Mutter und Sohn werde voller Hass beäugt und ignoriert, Türen werden ihnen buchstäblich und übertragen vor den Augen zugeschlagen. Nur in Mariannes ehemaliger Schulkollegin Sigrid findet das ungleiche Paar zunächst eine Verbündete.

Kilian versucht die Welt zu begreifen, indem er den Dingen Worte zuweist. Er liest und schreibt, versucht “das eigene kleine Leben im Lesen (zu) vergessen” und begreift sich früh schon als Dichter.

In Tagträumen stellt er sich vor, er wäre ein Zauberer, der vier Stunden am Tag Verkniffenheit in Lächeln verzaubert. Wenn sie nämlich lächeln, dann merken die Leute auf einmal, wie anstrengend es ist, sich in Vorurteile zu verbeissen. Nicht, dass sie nun alle dicke Freunde werden, aber die Feindschaften, die braucht man auf einmal nicht mehr. Wandel durch Annäherung ans eigene Herz!”

Spielerisch verbindet Sigrun Casper (*1939) Ereignisse und Worte deutscher Nachkriegsgeschichte mit den Erfahrungen des fantasiebegabten Kindes Kilian, das der Welt ihren Sinn anzudichten versucht. Der Kampf gegen Vorurteile ist durchgehendes Thema, zumal als der pubertierende Knabe in der Liebe zum Kameraden Matthias seine Homosexualität zu entdecken und erkunden beginnt. Die Liebe und den Vater finden: das sind die Ziele des Heranwachsenden und beide, so zeigt sich, sind nicht ohne Hindernisse zu erreichen. Und manchmal entdeckt man am Ende des Wegs, dass das Ziel nicht das ist, was es in der Vorstellung gewesen ist…

“Der Wortjongleur” ist das berührende Portrait eines starken Mutter-Sohn-Gespanns im Kampf gegen Vorurteile und Vergangenheit. Herzlich, aber nicht kitschig. Empathisch, aber nicht sentimental.

Casper, Sigrun. Der Wortjongleur. Tübingen: konkursbuch Verlag Claudia Gehrke. 256 S., gebunden. 978-3-88769-573-6

Rezension: Jochen Rausch – Rache (Berlin-Verlag 2015)

In seinem neuen Erzählband versammelt der deutsche Autor Jochen Rausch elf Kurzgeschichten, die die sozialen Abgründe des heutigen Deutschland ausloten. Seine Texte spüren subjektiven Erfahrungen von Ungerechtigkeit und Kränkung nach, die den Protagonisten nur eine Wahl lassen: Rache.

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Zum Helden tauge er nicht, sagt der Protagonist der Erzählung “Gotteskrieger”, ein Wuppertaler Polizeireporter, der in 31 Dienstjahren hauptsächlich über Bagatelldelikte berichtet hat. Und das war ihm auch gerade recht so. Nun aber haben sich die Vorzeichen geändert: Der neue Chefredaktor der Lokalzeitung will die Leserzahlen steigern, fordert Skandale und Spektakel. Da kommt es ihm gerade recht, dass offenbar ein Wuppertaler Vorstadtjunge gen Osten gezogen ist, um sich zum Gotteskrieger ausbilden zu lassen. Er setzt seinen Polizeireporter auf den Fall an. Der stösst im ehemaligen Wohnquartier des Jungen auf ein Deutschland, das er nicht mehr verstehen kann und nicht mehr verstehen will. Er wird unverhofft fotografierender Zeuge eines Ehrenmords, wird auf diese Weise selbst zur Zielscheibe – und muss sich untertauchen…

Einerseits fällt diese Geschichte innerhalb der Sammlung aus dem Rahmen, weil sie die Umstände der Gewalttat – also des Ehrenmordes – gar nicht thematisiert; andererseits führt sie typische Merkmale des Figurenkosmos’ und der Szenerien ein, die Rausch in “Rache” an elf verschiedenen Schauplätzen heraufbeschwört. Rauschs deutsche Gesellschaft ist eine Gesellschaft im Zustand der Gereiztheit; eine Gesellschaft, in der die Schere zwischen Arm und Reich sich bedrohlich weit aufgetan hat; eine Gesellschaft voller Fässer, die von einem einzigen Tropfen zum Überlaufen gebracht werden können.

Die Mehrheit der Geschichten folgt einem angehenden Täter bis zu eben jenem Punkt, an dem das Fass überläuft, die erfahrene Ungerechtigkeit oder Kränkung so unerträglich wird, dass die Explosion nicht mehr abzuwenden ist. Oder aber sie rekonstruieren eine geschehene Tat, häufig aus unterschiedlichen Perspektiven verschiedener Beteiligter, Augenzeugen oder Verwandter. Der Autor, selbst einst Gerichtsreporter, arbeitet auf kleinem Raum grosse Themen ab, und zwar gleich eine Vielzahl davon. Von ehemaligen Stasi-Spitzeln (“Räucherware”) über die scheinbare Bedrohung durch “den Islam” (“Gotteskrieger”), Missbrauch durch katholische Priester (“Gloria Dei”), die Schattenseiten der Berliner Gentrifizierung (“Krawall”) bis hin zu Gewalt und Übergriffen an den Arbeitsstätten der Unterschichten (“Feuer”) und dynastische Machtkämpfe (“Haie”) deckt Jochen Rausch ein erstaunlich breites Spektrum gesellschaftsrelevanter Themen ab bzw. schneidet diese zumindest an.

Mit grosser Sympathie für die scheinbar wenig heldenhaften kleinen Leute und einer umgekehrt oftmals skrupellosen, machtgierigen und sexuell gewalttätigen Zeichnung der Oberschicht erzählt Jochen Rausch. Seine Sprache ist simpel, klar, reduziert auf das absolut Notwendige. Es gelingt ihm gut, Sympathie und Antipathie zu erzeugen: Für Jan, der Amok läuft, weil er sich von der Kellnerin Isabel betrogen fühlt, empfindet man wohl unweigerlich Abscheu (“Rache”); für Martin hingegen, den ehemaligen Fallmangager eines Jobcenters, der wegen eines Ausrasters Job, Frau und Vermögen verloren hat und nun selbst Sozialhilfeempfänger ist, kommt man nicht umhin gewisse Sympathien zu fühlen (“Die Wanderung”). Wobei natürlich auch dies wieder meine subjektiven Wahrnehmungen davon sind, was eine Kränkung ist, die die drastische Rache auch verdient, und was nicht.

Ob Stadt oder Land, Arm oder Reich, Jung oder Alt, die “Zeiten der Gereiztheit”, wie Jochen Rausch das Symptom nennt, sind omnipräsent. Was den Anlass betrifft, Rache zu nehmen, scheint die Hemmschwelle zu sinken. Immer kleiner werden die Fässer, immer schneller kommt es zu jenem sprichwörtlichen einen Tropfen zuviel. Die Geschichten in “Rache” lassen sich zwischen den Zeilen als Aufforderung für mehr Akzeptanz und Respekt im Umgang mit anderen Menschen lesen, als Aufforderung nicht jede noch so kleine unglückliche Handlung als persönlichen Affront aufzufassen. Darin liegt der über die Texte hinausgehende Verdienst dieses spannenden Sammelbandes.

Rausch, Jochen. Rache. Storys. Berlin: Berlin-Verlag 2015. 288 S., gebunden m. Schutzumschlag. 978-3-8270-1265-4

Rezension: Benjamin Stein – Replay (dtv 2015 [2012])

Orwell für die Generation Assange: Weil er in den drei Jahren, die seit seiner Entstehung vergangen sind, nichts an Aktualität eingebüsst hat, wird Benjamin Steins (gar nicht mal so) utopischer Roman über eine Gesellschaft der totalen Transparenz jetzt bei dtv neu aufgelegt. Wir müssen uns fragen: Blinken auch hinter unseren Schläfen bald blaue Lichter?

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Aus dem Bedürfnis heraus “teilnehmen zu können an dieser Kommunikation der grossen Geheimnisse”, das in ihm während des Bar-Mitzwa-Unterrichts reift, wird der junge Ed Rosen Softwareentwickler (er nennt es: “Codierknecht”) einer aufstrebenden Firma im kalifornischen Silicon Valley. Selbst entstellt durch ein unbewegliches rechtes Auge, das ihm räumliches Sehen verunmöglicht, ist er Experte für Softwaresysteme, die versuchen zwischen “organischem Nervengewebe und anorganischen, nervenähnlich arbeitenden Systemen” Verbindungen herzustellen.

Vom ersten Tag an hat Ed eine besondere Verbindung zum mysteriösen, guruartigen Chef des Unternehmens, dem chilenischen Neurobiologen Matana (der teilweise nach dem realen Vorbild Humberto Maturana modelliert wurde). Seiner Firma hat dieser ein Logo verpasst – ein Paar weit geöffneter Augen -, das bezeichnend ist für seine ambitionierte Vision: Die Blinden sehend machen.

Ed entwickelt im Auftrag ein ausgefuchstes Implantat, das er selbst als Erster testet: das UniCom. Dieses Gerät, das ins Auge eingesetzt wird, zeichnet alles, was sein Träger sieht, auf und erlaubt es dadurch nicht nur Erinnerungen später beliebig oft abzuspielen, sondern etwa auch diese um zusätzliche Elemente zu ergänzen. Die Konsequenz ist so simpel wie schockierend: “Keine Erinnerung geht mir verloren, die ich nicht selbst verloren gebe.” Weitere Funktionen kommen hinzu, das Implantat wird zum Supercomputer, ist Pass, Fahrausweis, Fernseher, Kamera und Nachrichtenübermittler zugleich.


“Die Corporation ging auf Shopping-Tour: Filmstudios, TV-Networks und Patente für Technologien, die sich bis dahin nicht hatten durchsetzen können, in Verbindung mit dem UniCom aber doch noch zu ihrer eigentlichen Bestimmung fanden. Sprach- und Bilderkennung, auf beliebige Flächen projizierbare Tastaturen, an die Augenbewegungen gekoppelte Zeigegeräte, die eine herkömmliche Computermaus ersetzen konnten – das alles holte Matana unter das Dach der Corporation, die es ins UniCom integrierte. Das Implantat wurde zum universellen mobilen Computer, der so gut wie nichts wog, den man immer dabei hatte und der permanent auf Empfang war, verbunden mit der gesamten digitalen Welt.”

Innerhalb kurzer Zeit entwickelt sich das UniCom zum globalen Hit und zum unabdingbaren Bestandteil des Alltags für 70 % der amerikanischen Bevölkerung. Die “Corporation”, wie Ed die Firma nennt, der er nun sein ganzes Leben verschrieben hat, steigt zur mächtigsten Organisation des Landes auf. Auf der anderen Seite wird, wer kein UniCom tragen will bald zum “Anonymen”, zu einem ausgestossenen Individuum, dem alle Privilegien des gesellschaftlichen Lebens abhanden kommen. Ed freilich bringt kein Verständnis für die Verweigerer auf. Er sagt: “Wir unterdrücken nicht. Wir sind Dienstleister, helfen und unterhalten.”. Oder: “Aus welchem Grund sollte jemand anonym bleiben wollen, wenn er nichts zu verbergen hat?” Dass es keine Möglichkeit gibt, das Gerät, dessen Leuchtdioden hinter den Schläfen im Halbminutentakt blau aufleuchten, abzuschalten, spielt er herunter. Es gebe Probleme, sagt er, die von einer Gesellschaft als solche erkannt, aber dennoch akzeptiert würden. Was die Anonymen – ihr Sprecher ist tatsächlich Julian Assange – als “tyrannisches Zwangssystem” empfinden, nennt Rosen ein “Gebot der öffentlichen Sicherheitsinteressen”.

Steins Entscheidung, den Entwickler, ersten Träger und grossen Profiteur des ominösen UniCom, als Erzähler fungieren zu lassen, ist erstaunlich. Entscheidend ist, dass dadurch spannende Fragen, wie die Auswirkungen der UniCom-Gesellschaft etwa auf die Politik oder das kapitalistische Wirtschaftssystem unterschlagen oder nur am Rande angeschnitten werden. Intensiver widmet sich Ed den Nacherzählungen erotischer Abenteuer, die er mit seiner Freundin Katelyn und der Asiatin Lian erlebt hat; Abenteuer, die bisweilen gerade durch die neuen Möglichkeiten des UniCom prickelnde neue Dimensionen gewannen. Für ihn sind die Technologie und seine hingebungsvolle Arbeit daran die “reinste Form vollständiger Freiheit”. So ist es dem Leser überlassen, die Gegenseite weiterzudenken, sich die weitreichenden negativeren Folgen einer solchen neuen Macht für eine Gesellschaft auszumalen. Einerseits wundert man sich ob manch einer Lücke, andererseits ist die Perspektive erfrischend, da sie den Text der Gefahr enthebt, reiner Thesenroman zu sein.

Einigen stilistischen Missgriffen – exemplarisch sei die Überstrapazierung des Motivs Hirtengott Pan erwähnt – zum Trotz, ist Benjamin Steins “Replay” ein Roman, der auf geschickte Weise Problemfelder anspricht, die teilweise nicht einmal mehr als utopisch (bzw. dystopisch), sondern als Angelegenheiten mit explizitem Gegenwartsbezug gelten können. Die Gesellschaft totaler Transparenz ist nicht fern, ihre Gefahren sind evident. Matana erkennt es korrekt: Macht entsteht durch Unterwerfung. Unterwirft sich eine Gesellschaft einer neuen Technologie, ohne sie zu hinterfragen, verschiebt sich die Macht automatisch auf die Seite derer, die diese Technologie besitzen. In Zusammenhang mit dem Zitat, das Stein dem Text voranschickt, ergibt sich daraus ein beängstigendes Szenario. Der französische Regierungssprecher François Baroin sagte 2010 nach der WikiLeaks-Affäre: “Ich war immer davon überzeugt, dass eine transparente Gesellschaft auch eine totalitäre Gesellschaft ist.” Es ist wichtig, im Umgang mit persönlichen Daten im virtuellen Raum hin und wieder an diese Tatsache zu denken.


Weiterführend: Auf seinem Blog Turmsegler hat Benjamin Stein ab 2009 in der Kategorie ‘Replay’ Materialien, die in direktem Zusammenhang mit dem Roman und seinen Themenfeldern stehen, gesammelt. Ausserdem finden sich Links zu Interviews und etliche Auszüge aus Rezensionen.

Stein, Benjamin. Replay. München: dtv 2015. Taschenbuch, 176 Seiten. 978-3-423-14396-7

Zürcher Streifzüge (6): “Ein letzter Tag Unendlichkeit”

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“Er wohnte in einer Höhe über der am rechten Ufer, wo der See seine Wasser als Limmat zusammendrängt, gelegenen größern oder alten Stadt; diese durchkreuzten wir, und erstiegen zuletzt, auf immer steileren Pfaden, die Höhe hinter den Wällen, wo sich zwischen den Festungswerken und der alten Stadtmauer gar anmutig eine Vorstadt, teils in aneinander geschlossenen, teils einzelnen Häusern, halb ländlich gebildet hatte.”

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Bodmer-Haus. Quelle: Thomas-Mann-Archiv

Mit diesen Worten beschreibt Johann Wolfgang von Goethe in seinem autobiographischen Text “Dichtung und Wahrheit” einen Besuch in Zürich im Jahre 1775. “Er” – der, den Goethe gemeinsam mit dem Grafen Stollberg und 1779 noch einmal mit Herzog Karl August besuchte – das ist Johann Jakob Bodmer (1698 – 1783). Der Philologe bewohnte das besagte Haus, das sich auf dem Gelände der heutigen Universität Zürich befindet und nun das Thomas-Mann-Archiv beherbergt, seit 1739 und hatte vor Goethe bereits andere prominente literarische Gäste beherbergt: Ewald von Kleist, Christoph Martin Wieland und – im Sommer 1750, als Goethe noch kaum ein Jahr alt war – Friedrich Gottlieb Klopstock.

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F.G. Klopstock. Quelle: ZB

Der damals 26-jährige deutsche Dichter Klopstock hatte zwei Jahre zuvor Aufsehen erregt, als die ersten drei Gesänge seiner gross angelegten Messias-Dichtung in der Bremer Zeitschrift “Neue Beyträge zum Vergnügen des Verstandes und Witzes” erschienen waren. Zu den frühen Bewunderern, die in Klopstock den “Verkünder einer neuen Poesie” sahen, wie Lucien Deprijck in seiner Romanumsetzung von Klopstocks Zürich-Aufenthalt schreibt, gehörte auch Bodmer, der den jungen Deutschen in die Schweiz zu lotsen suchte. Klopstock, auf Gönner und Mäzene angewiesen, folgte der Einladung, nicht aber ohne zuvor seine Wünsche brieflich geäussert zu haben. Am 28. November 1749 fragt er Bodmer:

 

“Und, noch eine Frage, die auch einigermassen bey mir mit zur Gegend gehört, denn mein Leben ist nun zum Punkt der Jünglingsjahre gestiegen. Wie weit wohnen Mädchens Ihrer Bekanntschaft von Ihnen, von denen Sie glauben, dass ich einigen Umgang mit ihnen haben könnte? Das Herz der Mädchen ist eine grosse weite Aussicht der Natur, in deren Labyrinthe ein Dichter oft gegangen seyn muss, wenn er ein tiefsinniger Wisser seyn will.” [Zum Brief]

Klopstocks, in seinem jungen Alter wohl kaum überraschende, Neigung zu trinkseligen Verlustigungen in Begleitung junger Mädchen, führte bald schon zum Zerwürfnis mit Bodmer, der seinen verehrten jungen Dichterstar in die elitären Zürcher Gesellschaftskreise hatte einführen wollen. Klopstock aber zog es vor, sich mit Gleichaltrigen abzugeben, zu denen insbesondere Hans Caspar Hirzel, der spätere Erste Stadtarzt, den er bereits aus Leipzig kannte, und Hartmann Rahn, sein späterer Schwager, zählten. Am 21. Juli 1750 war Klopstock in Zürich eingetroffen, vom 27. bereits ist der Brief Rahns datiert, der zu jenem Ereignis einlädt, aus dem der deutsche Autor Lucien Deprijck nun einen Roman gemacht hat: Eine Lustfahrt auf dem Zürichsee (oder “Zürchersee”, wie Klopstock seine daran erinnernde Ode betiteln wird).

deprijck“Ein letzter Tag Unendlichkeit. Geschichte einer Lustfahrt” (Unionsverlag, 2015) ist ein galanter Streifzug durch das Zürich des Jahres 1750. Eine Stadt, in der die jungen Leute religiöse Strenge und eine rigide gesellschaftliche Etikette gewohnt sind, die es jungen Frauen nicht einmal erlaubt, auf offener Strasse mit ihnen unbekannten jungen Männern zu sprechen. In dieses Umfeld – vertreten durch Bodmer – dringt nun der aufgewühlte Klopstock ein, der “die seltene Gabe, allen Frauen zu gefallen” besitzt. Hirzel und Rahn wollen ihn vom Liebeskummer ablenken, den ihm die unerwiderte Zuneigung zu seiner Cousine Maria Sophia Schmidt eingetragen hat. Sie sind bereit, vieles dafür zu tun, sie organisieren eine Lustfahrt, auf der Hirzel Klopstock seine eigene Gattin offeriert, die “ihm ihre Reize so abwechslungsreich wie möglich darzubieten” (Originalzitat aus Rahns Brief) gedenke. Die jungen Zürcher verfolgen dabei auch eigensinnige Motive, jeder will “ein Stück von seinem Ruhm über die eigene Schwelle bringen”: Klopstock soll die Stadt zu seiner neuen Heimat machen, auf dass sie zu einer kulturellen Metropole heranwachse.

Neun Frauen und neun Männer nehmen an der Fahrt teil, sie werden zu bisweilen ziemlich ungleichen Paaren gruppiert. So zugetan Klopstock seinem Los, Hirzels Gattin Anna, auch ist, so viel stärker ist die Faszination, die er für die siebzehnjährige Anna Maria Schinz empfindet. In der Ode an den “Zürchersee” wird er sie “Fanny” nennen, gleich wie in früheren Gedichten die geliebte Cousine Schmidt.  Die Annäherungsversuche des begierigen Dichters an die kluge, scheue Bewunderin seines Werks sind das Zentrum von Deprijcks Roman, in ihnen spiegeln sich die verbohrte Frömmigkeit, die männliche Dominanz und die sozialen Konflikte der damaligen Gesellschaft.

“Aber dies, so allein zu sein mit einem Mädchen, stand nicht einmal einem Bräutigam zu! Sie fühlte sich schuldig. Als könnte jeden Augenblick ein Strafgericht über sie hereinbrechen. Die innere Unruhe war kaum zu unterdrücken. Doch wenn alle billigten, was geschah, befand dann überhaupt Not, sich schuldig und unbehaglich zu fühlen? Durfte sie dann nicht, so ganz unverhofft, diese Augenblicke, diesen ganzen Tag geniessen wie die Prinzessin in einem Märchen?”

In einer manchmal etwas gestelzten Sprache erzählt Deprijck vom Leben und Lieben im Zürich des 18. Jahrhunderts, das verdichtet zu jenem einen symbolischen Tag der Klopstock’schen Lustfahrt daherkommt. Manche stilistische Mangelerscheinung (lange Dialoge in indirekter Rede), manch fragwürdiger Anachronismus und historische Zweifelhaftigkeit (Die Gesellschaft diskutiert über aktuelle Themen wie “Goethes Geburt in Frankfurt” – als sei der spätere Dichterfürst bereits einjährig Gesprächsthema gewesen…) seien dem Autor verziehen, ist der Text doch insgesamt ein interessanter, vergnüglicher und detailliert recherchierter Streifzug durch die Zürcher Gesellschaft, ihre Beziehungen zu Religion, Familie und Sexualität anno 1750. Kurzum: Eine bedeutende Episode aus dem literarischen Stadtleben in bekömmlicher Verpackung.

Deprijck, Lucien. Ein letzter Tag Unendlichkeit. Geschichte einer Lustfahrt. Zürich: Unionsverlag 2015. 240 S., gebunden m. Schutzumschlag. 978-3-293-00483-2

Rezension: John von Düffel – KL. Gespräch über die Unsterblichkeit (Dumont 2015)

Was tut ein Autor, der sich einmal gepflegt über Sein und Schein, das Leben, den Tod und überhaupt all die grossen Themen äussern, seiner Leserschaft aber keinen 1000-Seiten-Schinken aufhalsen will? Der deutsche Schriftsteller John von Düffel hat eine buchstäblich elegante Lösung gefunden. Er legt die schwergewichtigen Gedanken als Bonmots einem Experten in den Mund: KL. Ähnlichkeit mit lebender Ikone beabsichtigt. Eine grandiose Stilstudie.

düffel

KL, Chefdesigner bei Chanel, weisses Haar, schwarze Sonnenbrille. Das ist natürlich Karl Lagerfeld, die Assoziationen könnten klarer nicht sein und sind, wie von Düffel eingangs schreibt, absolut beabsichtigt. Ein Ich-Erzähler erhält einen Termin bei KL, um mit ihm ein Gespräch zu führen. Er plant nicht das handelsübliche Gala- oder Spiegel-Interview, sondern ein tiefes philosophisches Gespräch. Sein Zeitfenster sind dreissig Minuten. In dieser Zeit aber, so wird dem Interviewer während des aufwändigen Wartezeremoniells versichert, rede KL so viel wie andere Menschen an einem ganzen Tag.

Dann endlich betritt er den Raum, das Interview beginnt. KL wünscht sich, nicht von Fragen unterbrochen zu werden, er hat dezidierte Meinungen zu allem, spricht vornehmlich in zitierfertigen Bonmots. “Wer zeitlos schafft, der kann nicht pünktlich sein.”, “Ist man aussen tipptopp, ist man innerlich aufgeräumt.”, “Lieber ein guter Schwadroneur als ein schlechter Schriftsteller.”, usf.

Der Interviewer, der glaubt, KL  sei “der letzte lebende Philosoph”, macht sich von Paris aus wieder auf den Heimweg nach Deutschland. Zweiter Akt: Im Zug begegnet er BS (man nimmt an: Barbara Schöneberger), die privat gar nicht aussieht wie BS, “sondern allenfalls wie eine Vorstufe von ihr.” Das Gespräch geht weiter, wird im dritten Akt wieder mit KL telefonisch fortgesetzt, während im vierten ein Regisseur belauscht wird, der mit einem anderen Interviewer über die ehemalige Politikerin Heide Simonis und deren tragischen Abstieg spricht. Im fünften und letzten Akt des an klassischen Formen geschulten Romans findet der Erzähler zurück zu KL, der sich inzwischen in einem Hamburger Spital aufhält – unfähig, zu schlafen.

“Das ist die einzige Frage, die zählt. Nicht ob das, was man glaubt, wahr oder falsch ist, sondern ob es der Zeit standhält. Der einzige ernst zu nehmende Erfolg im Leben ist die Dauer: dass man noch da ist nach all den Jahren, dass es einen zu guter Letzt immer noch gibt. Dauer ist die langsame, aber stetige Annäherung an die Unsterblichkeit. Und dabei sind Illusionen manchmal mächtiger als Wahrheiten.”

Die Macht der Illusion unermüdlichen Schaffens versucht KL der Wahrheit seiner lebensgefährdenden Erschöpfung entgegenzuhalten. Besessenes Arbeitsethos und untrügliches Formbewusstsein verbinden sich in der Kunstfigur KL, deren scheinbare Übermenschlichkeit man letztlich versucht wird, auf gängige psychologische Klischees (Die verstorbene Mutter!) zurückzuführen. Was natürlich zu einfach wäre. Es erfordert Überwindung, sich solchen Vereinfachungen nicht hinzugeben, sondern auch die mannigfaltigen Schattierungen zwischen Schwarz und Weiss zu beachten.

John Von Düffel (*1966) ist ein grandioser Stilist, der die drei Prominentenschicksale KL, BS und HS dramaturgisch geschickt zu einer fünfaktigen Fast-Tragödie verbindet. Sein Spiel mit Form und Sprache, Sein und Schein ist verblüffend, Momente von grosser Ernsthaftigkeit wechseln sich mit solchen himmelschreiender Komik ab. Zwischen Tragik und Komik des Berühmtseins, des Vergänglichkeitsbewusstseins und des Ausgeliefertseins an die Mächte der Medien findet der Text einen pointierten, scharfsinnigen Ton, der – ob man nun lacht oder weint – kritische Gedanken etwa zu unserem Umgang mit Schönheit, Genie und Erfolg anregt.

von Düffel, John. KL. Gespräch über die Unsterblichkeit. Köln: Dumont 2015. 160 S., gebunden m. Schutzumschlag. 978-3-8321-9784-1

Rezension: Ursula Ackrill – Zeiden, im Januar (Wagenbach 2015)

Ursula Ackrills Debütroman “Zeiden, im Januar” widmet sich der wechselhaften Geschichte der Siebenbürger Sachsen, einer deutschsprachigen Gemeinschaft im heutigen Rumänien, insbesondere der Zwiegespaltenheit der Sachsen gegenüber dem ursprünglichen “Mutterland Germania” zu Beginn des Zweiten Weltkriegs. Der Text, unlängst nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse, krankt ein wenig an mangelhaft ausgearbeiteten Charakteren, zündet dafür sprachlich ein Feuerwerk.

ackrill

Zeiden, das ist eine kleine Stadt im Burzenland im Herzen der Karpaten, gegründet 1265 vom Deutschen Orden, vor dem Zweiten Weltkrieg zu einem grossen Teil bewohnt von Siebenbürger Sachsen. Im Januar, das heisst konkret: am 21. Januar 1941. Dieser Tag, von 6:45 bis 22:59 Uhr, bildet die Haupterzählachse des Textes. In Zeiden, einsam im Haus des im ganzen Dorf verehrten, unter ungeklärten Umständen verschwundenen Aviatikers Albert Ziegler, lebt die Chronistin Leontine Philippi. Sie ist die Protagonistin des Textes, eine Kassandra der Siebenbürger Sachsen, deren Mahnung vor drohendem deutschem Unheil niemand Glauben schenken will.

Zu gross sind die Hoffnungen, die die Sachsen in Hitlers Vormarsch setzen. Sie, die ursprünglich Deutschen, ausgewandert im Mittelalter, die schon zum Königreich Ungarn, zum Fürstentum Siebenbürgen, zur österreichisch-ungarischen Monarchie und seit Ende des Ersten Weltkrieges zu Rumänien gehörten, aber immer Aussenseiter blieben, sehen sie endlich gekommen: die Chance, einer “Gemeinschaft einverleibt zu werden, die uns nicht als Fremdkörper bekämpft.”

Die Nationalsozialisten freilich scheren sich kaum um diese siebenbürgische Minderheit. Den Sachsen ist es nicht erlaubt, in die deutsche Armee einzutreten, einzig der Zugang zur Waffen-SS steht den qualifiziertesten unter ihnen frei. Nach der Ermordung des jüdischen Ramschhändlers Brick erkennt Leontine die Bedrohung, die von Juden nur allzu leicht auf andere Minderheiten überzutreten droht. Fortan versucht sie als Warnerin den Sachsen die mangelnde “indigene Selbstverständlichkeit” einzureden, die die Gemeinschaft trotz ihrer “retardierten Nettigkeiten, gutgemeinten Fiaskos und ihr(em) generelle(n) Mondkälbertum” vor dem Sturz ins nationalsozialistische Unheil bewahren soll.  Erfolglos. Zwischen ihrer rumänischen Haushälterin Maria, dem ehemaligen Freund Herfurth, der Apothekerin Edith Volskgruppenführer Schmidt und dem späteren Nazi Klein sucht sich die alternde Prophetin eine Stimme zu verschaffen.

Ursula Ackrill (*1974 in Kronstadt, Siebenbürgen), die als Bibliothekarin im englischen Nottingham arbeitet, hat als promovierte Germanistin eine literaturtheoretische Vorbildung, die in der Struktur und Erzählweise von “Zeiden, im Januar” deutlich zum Ausdruck kommt. Der Text ist in kurze, meist mit Orts- und minutengenauer Zeitangabe versehene Kapitel gegliedert, die wild zwischen  etwa 1900 und 1941 umherspringen, mal dreissig Jahre vor, dann wieder wenige Minuten zurück. Das ist verblüffend, durchdacht, aber auch verwirrend. Das Vertiefen in einen Erzählstrang oder einer Figur wird stets geschickt unterbunden. Die genauen Abläufe des 21. Januar 1941, die Figuren, ihre Biographien, Motivationen und gegenseitigen Beziehungen, muss man sich nach und nach aus Versatzstücken zusammensetzen. Das mag intellektuell fordernd sein, hat aber in diesem Falle den Nachteil, dass keine wirklich konsistenten Charaktere entstehen können. Vieles bleibt schwammig und so unklar, dass selbst die im Anhang gedruckten kurzen Figurenbiographien keine Besserung mehr eintreten lassen. Die Formvollendung, wie man so schön sagt, gereicht hier leider zum Nachteil.

Umso mehr dagegen vermag die Sprache zu begeistern: Ursula Ackrill zündet ein regelrechtes Feuerwerk an schillernden Adjektiven, verschrobenen Verben und seltsam unverblümter Formulierungen. Auch die deutsche Sprache, so wirkt es, ist in Siebenbürgen eine etwas andere, mit charmanten Eigenheiten ausgestattete.


“Der Wind schwärmt Schneeflocken an ihr Fenster. Sie rieseln vorbei. Aus ihrem Hof hatte sie den Berg nicht sehen können, nur das Bergelchen davor. Er steckte in der Wolke, die nun über Zeiden hinwegrollt. Leontine steht in ihrer Küche im Morgenrock, wollbestrumpft und gestiefelt, die Tür weit geöffnet, und wendet eine pfannevoll Fischteile.”

“Zeiden, im Januar” ist ein im Historischen fundiertes, im Alltäglichen präzises Werk von bisweilen rauschhafter Formulierlust und spürbarer Hingabe an die Aufarbeitung seines Themas. Dass es hinsichtlich der Porträtierung seiner Charaktere etwas blass und aufgrund seiner Form verwirrlich bleibt, sei ihm verziehen. Die Nominierung für den Preis der Leipziger Buchmesse ist überraschend, aber nicht unverdient: Mit Ursula Ackrill empfangen wir eine einzigartige neue Stimme in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.


Andere Stimmen zum Buch:

Andere Bücher zum Thema:

Ursula Ackrill ist nicht die erste Autorin, die sich der Geschichte der Siebenbürger Sachsen – insbesondere in Bezug auf den Zweiten Weltkrieg – literarisch annimmt. Erwähnenswerte Vorgänger sind etwa: “Wenn die Adler kommen” von Hans Bergel (1996),  “Der geköpfte Hahn” von Eginald Schlattner (1998), “Capesius, der Auschwitzapotheker” von Dieter Schlesak (2006) , beruhend auf einer wahren Geschichte, oder der Erzählband “Die Wildgans”, wiederum von Siebenbürgens wohl bekanntester Stimme Hans Bergel (2011).

Ackrill, Ursula. Zeiden, im Januar. Berlin: Wagenbach 2015. 256 S., gebunden m. Schutzumschlag. 978-3-8031-3268-0