Lebens-Lagen #32: 29. April

Die mit Gottfried Benn befreundete deutsche Autorin Thea Sternheim (1883-1971) konnte die mangelnde Beachtung, die Benn widerfuhr, während andere – hier Annette Kolb – scheinbar minderwertigere Künstler ihr Publikum hatten, nicht nachvollziehen.

Am 29. April 1932 schrieb sie im Pariser Hotel Atala in ihr Tagebuch:

“Ungezählte Male dringt Annettewährend des Morgens in mein Zimmer. Unfassbar, dass solche geistige Konfusion genügt, eine Existenz darauf zu gründen. Ich bin 48 Jahre geworden und durchschaue immer noch nicht, welche Triebfedern die öffentliche Meinung bewegen. Festzustellen bleibt, dass Annette Kolb ihr Publikum hat, während eine geistige Kapazität vom Range Benns einer höheren Gesetzmässigkeit zufolge unbeachtet bleiben muss.” 1


1. Aus: Gottfried Benn / Thea Sternheim. Briefwechsel und Aufzeichnungen. Wallstein 2004.

 

Hier geht’s zum Lebens-Lagen-Archiv.

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