Spass am Montag: 5 x Max Goldt

Eins ist klar: Der Grossteil der denkfähigen Menschheit pflanzt den Montag in der Wochentags-Hitparade auf den siebten und letzten Platz, weit abgeschlagen, mit einem Rückstand, den nicht einmal das papua-neuguineanische Olympia-Skiteam zu unterbieten vermöchte. Hat der Montag das verdient? Man weiss es nicht. Aber warum denn immer gleich so mürrisch? Man kann dem Montag ja auch mal fesch entgegenlachen. Das machen wir heute, und zwar mit fünf hochqualifizierten Sentenzen aus dem unerschöpflichen Fundus des Max Goldt.

maxi

Max Goldt (* 1958) ist ein deutscher Schriftsteller, Musiker und T-Shirt-Designer (sic). Seine Texte sind grotesk, absurd, douglasadamsig. Manche davon haben Titel, die alleine schon den Nobelpreis verdient hätten (“Ich zog ein elektronisches Goldfischglas hinter mir her, in dem ein Wetter herrschte wie auf der Venus” etwa). Er ist ein – nein: DER Grossmeister des An-den-Haaren-herbeiziehens von Argumenten und Gedankenfolgen. Max Goldt, so wage ich zu behaupten, ist der beste deutsche Schriftsteller: Er kann mit dem sprachmächtigen Pathos eines Goethe und der überstiegenen Gefühlsgewalt eines Novalis über die Befindlichkeit seiner Elektrogeräte schreiben. Das ist einmalig und genial. Fakt.

Im Folgenden nun fünf grossartige Stellen aus einigen seiner Texte. Leset und lachet!

“Ich sehe da einen jungen Mann die Strasse entlanggehen. Er trägt eine quadratische Plastiktüte. Ich bin fast sicher, dass da eine Langspielplatte drin ist. Völlige Sicherheit ist aber ausgeschlossen; denkbar wäre auch, dass die Tüte ein enorm grosses, quadratisches und extrem flaches Stück Hartkäse enthielte. Ich meine aber, dass ich mich nicht lächerlich machen würde, wenn ich mich entschieden für die LP-Version stark machte.”

Aus: Junger Mann, der sich eine Schallplatte gekauft hat.

“Ich hatte mal einen Nachbarn, einen echten lebendigen Nachbarn, also keinen aus Pappe mit konzentrischen Kreisen auf der Brust, und er war auch kein böser Stiefnachbar, der nur aufgrund temporärer Abwesenheit des echten, gottbefohlenen Naturnachbarn die Wohnung warm hielt, sondern ein wahrhaftiger langjähriger Nachbar aus Fleisch und Blut.”

Aus: Mein Nachbar und der Zynismus

“Ich sauge gerne Staub. Ich liebe das knisternde Geräusch, wenn Krümel und kleine Steinchen das metallene Rohr hinauffliegen. Mein alter Staubsauger lahmte aber schon seit langem. Das Wort Saugkraft war für ihn nur noch eine aschfahle Reminiszenz an Tage stets vor dem Überkochen stehender Mannbarkeit, an Hosen voll immer mehr und immer wieder wollendem Natterngezücht, an Bergwiesen voll singender Mädchen auf der Suche nach den berühmten wilden Berg- und Talaprikosen von Aquilatxarantxa gewissermassen.”

Aus: Ich zog ein elektrisches Goldfischglas hinter mir her, in dem ein Wetter herrschte wie auf der Venus

“Ein noch nicht altes Phänomen ist es, dass Photomodelle Namen haben und interviewt werden. Als ich noch klein war und Mineralwasser “Brause ohne Geschmack” genannt wurde und die Models noch Mannequins hiessen, waren diese nicht mehr als mobile Bügel aus Fleisch und Blut.”

Aus: Ich will wissen, ob die Schwester von Claudia Schiffer schwitzte (In Unterhose geschrieben)

“Platz drei in meiner kleinen Hitparade ist der Edding-Stift. Dies ist ein schlecht in der Hand liegender dicker Stift mit Metallmantel, der soweit ich mich entsinne, dumm klickert wenn man ihn schüttelt,weil er eine dumme Klickerkugel enthält. Es ist scheusslich, einen Edding in die Hand zu nehmen. Macht man die Kappe ab, ist es so, als werde man von einem schrecklichen Lederimprägnierspray eingenebelt, das man nur auf dem Balkon benutzen darf. Beim Schreiben macht der Edding-Stift Geräusche, wie wenn zwei auf einem witzig gemeinten alten Bett bumsen. Künstler, die einen Edding benutzen, verweisen auf das satte Schwarz, das er zu Papier bringt. Nichtkünstler, die mit Edding schreiben, sind m.E. abgestumpfte alte Stinkferkel. Sobald ich jemanden mit einem Edding-Stift sehe, haue ich ihm auf die Pfote, da macht es “Patsch”, und der Edding fällt auf die Erde. Jeder sollte so handeln.”

Aus: Mademoiselle 25 Watt

Max Goldts Werk erscheint im Rowohlt Verlag.  Alle hier zitierten Stellen finden sich in der dringend empfohlenen Sammlung “Für Nächte am offenen Fenster”

Im Moment ist er mit seinem Programm “Schade um die schöne Verschwendung” unterwegs.  Am 1.4. besucht er im Rahmen dieser Tour auch das Kaufleuten in Zürich. 

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