Finnegans Wake – enträtselt.

Finnegans Wake (1939) von James Joyce: Der Nachfolgeroman des schon 1922 erschienene Ulysses, unübersetzbar und kaum zu verstehen; ein Prosawerk, das in der Mitte seines letzten Satzes beginnt; ein polyglottes Satzpanorama, zusammengestückelt aus 60 – 70 verschiedenen Sprachen; ein ambivalentes Werk: Geniestreich oder bloss philologische Onanie? Eine Webseite entschlüsselt die sprachlichen Geheimnisse des Romans. 

finnegans wake

Seien wir ehrlich: Sätze wie diese…

“To Mezouzalem with the Dephilim, didits dinkun’s dud? Yip! Yup! Yarrah! And let Nek Nekulon extol Mak Makal and let him say unto him: Immi ammi Semmi. And shall not Babel be with Lebab? And he war.”

…werden die meisten Leser und Leserinnen – und ich nehme mich da nicht aus – nicht einmal beginnen zu versuchen zu verstehen. Das Sprachpuzzle, das mit Englisch nur noch wenig Ähnlichkeit hat, ist zu komplex, zu vielschichtig, zu undurchdringlich.

ABER:

Die Mühen bleiben uns erspart.

http://www.finwake.com/

Diese Seite enthält Glossen zum gesamten – und wenn ich sage “gesamten”, meine ich GE-SAM-TEN in Grossbuchstaben & mit einzelbetonten Silben – Werk “Finnegans Wake”. Etymologische und morphologische Ursprünge der Fantasiewörter werden offengelegt, mit neun Fussnoten sogar das Monstrum “Lukkedoerendunandurraskewdylooshoofermoyportertooryzooysphalnabortansporthaokansakroidverjkapakkapuk” durchschaubar gemacht. Nicht verständlich, aber durchschaubar.

Finwake.com ist ein wahrhaft gigantomanisches und verdienstvolles Projekt, das zeigt wie komplex das Joyce’sche Werk tatsächlich ist und Einblick in die verschrobene Welt dieses einmaligen Sprachgenies gewährt; eine Welt aus subtilstem etymologischem Witz und präzise abgewogenen Silbengewichtshebereien.

Doch werde ich Finnegans Wake nun, mithilfe dieses enträtselnden Compagnons, zu lesen/verstehen versuchen? Ich fürchte nicht… Und frage mich gleichzeitig, ob Joyce dieses Buch überhaupt für Leser und Leserinnen geschrieben hat.

One thought on “Finnegans Wake – enträtselt.

  1. schifferw

    Die letzte Frage ist womöglich berechtigt… Vielleicht hat er eher an Komponisten gedacht, wie z. B. an John Cage, der damit eine fanszinierende Hörspiel-Komposition, einen “Klassiker” der Akustischen Kunst geschaffen hat.

    Reply

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