Lektüretipps: Friedrich Dürrenmatt (1921-1990)

Der grosse Schweizer Dramatiker und Romancier Friedrich Dürrenmatt würde heute 93 Jahre alt. Anlässlich dieses Geburtstags wollen wir ein paar lohnenswerte Dürrenmatt-Lektüren empfehlen.

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I. Die pflichtigen Vier

Die vier vermutlich populärsten Werke Dürrenmatts sind allesamt hervorragend.  Es sind dies einerseits die beiden kurz nacheinander erschienenen Kriminalromane “Der Richter und sein Henker”  (1952) und “Der Verdacht” (1953).  Im Mittelpunkt beider steht der knorrige alte Kommissär Bärlach, der todkrank ist, seine Finger aber doch nicht von den Fällen lassen kann. Beides sind blitzspannende, perfekt durchdachte Detektivgeschichten, die aber auch psychologisch wertvoll sind.

Unter den dramatischen Werken sind die “tragische Komödie” “Der Besuch der alten Dame” (1956) und die Komödie “Die Physiker” (1962). Beides sind ausgekügelte und mit viel Humor gewürzte Parabeln (oder Gleichnisse oder wie man es denn auch immer nennen will) auf ethisch-moralische Grundsatzfragen, die Dürrenmatt mit Verve und hohem Unterhaltsamkeitsfaktor dramatisch zu inszenieren weiss.

II. Weitere Prosa und Dramatik

Zwei besonders spannende Prosabände sind die sogenannten “Stoffe”, Sammlungen meist semi-autobiographischer Texte, die ein Licht auf Dürrenmatts persönliche und literarische Ursprünge werfen. Es sind die Stoffe I-III: Labyrinth und die Stoffe IV-IX: TurmbauDer erstgenannte enthält u.a. die fantastische Erzählung “Mondfinsternis”, die eine Vorstufe zu “Der Besuch der alten Dame” ist.

Ebenso fantastisch ist der letzte Roman Dürrenmatts: “Durcheinandertal” (1989). Da will einer die Reichen von der Last des Geldes befreien und zu Gott führen. Da hören andere von diesem Gedanken, erwerben ein Luxushotel und lassen es in ein “Haus der Armut” umbauen. Der letzte Geniestreich des Autors, ein Manifest und eine Zusammenfassung der gesamten Dürrenmatt’schen Stofffülle, seines eigenen literarischen Kosmos’.

Ein Geheimtipp im dramatischen Werk ist “Ein Engel kommt nach Babylon” (1953), eine “fragmentarische Komödie”. Ein groteskes Werk um Akki, den letzten Bettler Babylons, dem ein Engel das göttliche Mädchen Kurrubi schenken will; der mit dem verkleideten König Nebukadnezar in einen Bettler-Wettstreit gerät; der mit Kurrubi unter eine Brücke zieht, während diese jedoch den hilflosen Bettler, den eigentlichen König, begehrt… Eine furiose, bisweilen schon fast zum Brüllen komische Geschichte!

III. Anderes

Der “Briefwechsel” zwischen Friedrich Dürrenmatt und Max Frisch, bestehend aus Dokumenten aus den Jahren 1947 bis 1986, ist trotz seines kleinen Umfangs (um die 40) ein eindrückliches Dokument einer ganz besonderen, mal lustig-kollegialen, mal giftig-missverstandenen Freundschaft. Immer wieder lesenswert!

 

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