Rezension: Sabina Altermatt – Bergwasser (Piper, 2013)

In einem kurzen, aber inhaltlich dichten und ambitionierten Kriminalroman erzählt die Bündner Autorin Sabina Altermatt die Geschichte der deutschen Ingenieurin Julia Jansen, die im Bünderland eine Tunnelbohrmaschine reparieren soll. Männer und Morde machen ihr dabei zu schaffen. Zumal die zwei zusammenzuhängen scheinen. Oder ist der Berg selbst der Mörder? Ein ausgeklügeltes Vergnügen, dieser Roman.

bergwasser

Titel: Bergwasser
Autorin: Sabina Altermatt
Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-30353-8
Umfang: 224 Seiten, Taschenbuch

Die Vita der Autorin informiert, dass Sabina Altermatt aus Graubünden stammt und zumindest zeitweise im Glarnerland lebt: Mit Bergen kennt sich die Frau also bestens aus. Und ein Berg steht im Zentrum ihres vierten Kriminalromans “Bergwasser”. Ein verwundeter Berg, der von einem Tunnel durchstochen werden soll. Eine der dafür verantwortlichen Maschinen ist defekt: die deutsche Ingenieurin Julia Jansen wird aus ihrer zerrütteten Beziehung heraus, in die Tiefen eines Bündner Tales hinein gerissen, um das Monstrum zu reparieren.

Hier, in unter der Alp Novai, sind die wenigen Frauen abergläubisch und die Männer – nun ja: männlich. Die hübsche Julia wird zum Objekt der Begierde – und der Verachtung. Frauen im Berg, so munkelt man, seien Bringerinnen des Unglücks. Ausser der Schutzheiligen Barbara natürlich.

Ein Tunnelarbeiter ist bereits vor Julias Ankunft bei einem Unfall gestorben, ein zweiter folgt – und die Statue der Heiligen Barbara wird gestohlen. Maria, die Verlobte Antonios, glaubt nicht bezüglich der beiden Toten nicht an Unfälle. Der Berg, beschwört sie, der Berg….

Und plötzlich wird die Leiche einer jungen Frau entdeckt, die im Tunnel nichts zu suchen hatte. Das Geschehen verkompliziert sich, zumal nach etwa 100 Seiten erstmals auch die Polizei mit ins Spiel kommt. Und dann ist da noch Sandro, der Julia begehrt. Und sie ihn? Und Jan, Julias Freund, der ihr nicht antwortet. Und die beängstigenden Zettel-Botschaften, die ihr jemand zukommen lässt.Und gestohlene Kristalle. Und die schwangere Frau des Polizisten Franco…

Kurzum: Der Roman versucht auf knappen 224 Seiten sehr viele Geschichten miteinander zu vereinen. Dies geht ab und zu zulasten einer gewissen Tiefe, fügt sich aber schliesslich zu einem durchdachten Ganzen. Selbst die doch sehr überflüssig erscheinende Geschichte der schwangeren Polizistenfrau erhält zuallerletzt noch eine bedeutende Funktion im Gesamtkonstrukt des Romans.

In der düsteren, staubigen, vom Sonnenlicht weit entfernten Landschaft im Berg und in der beklemmenden Enge der Arbeiterbaracken entfalten sich die meisten dieser Geschichten. Orte, die Versteckmöglichkeiten bieten; Orte, an denen alles und doch nichts privat zu bleiben scheint. Sabina Altermatt meistert es grossartig, diese für einen Thriller bestens geeigneten Schauplätze, miteinzubeziehen in die Geschichte, ihre Figuren wie Marionetten präzise über dieses bedrohliche Terrain zu führen.

Der Schluss, die letzten Enthüllungen und Nicht-Enthüllungen, werden ziemlich hektisch auf wenigen Seiten zusammengefasst. Hier wäre es lohnenswert gewesen, sich mehr Zeit zu lassen, tiefer zu gehen und mehr zu enthüllen als die blanken Fakten. Doch ist dieser eilige Schluss ein vernachlässigbarer Wermutstropfen in einem stimmigen, gut durchdachten und viele Themen auf kleinem Raum zusammenführenden Text.

Wertung: 7 / 10

 

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