Rezension: Richard C. Morais – Buddha in Brooklyn (Pendo, 2013)

Richard C. Morais’ zweiter Roman “Buddha in Brooklyn” folgt dem buddhistischen japanischen Mönch Seido Oda auf seinem Weg zur Erleuchtung, der ihn von einem kühlen Bergkloster ins multikulturelle Brooklyn führt. Obwohl bisweilen eine bissigere Bearbeitung des Themas interessant gewesen wäre, ist die Geschichte ein detailreiches, fantasievolles und zum Weiterdenken anregendes Portrait eines Menschen auf der Suche nach dem rechten Weg.

morais

Titel: Buddha in Brooklyn (Original: Buddhaland Brooklyn)
Autor: Richard C. Morais
Übersetzung: Monika Köpfer
Verlag: Pendo (Piper)
ISBN: 978-3-492-96356-5
Umfang: 368 Seiten, gebunden m. Schutzumschlag

Inspiriert, so schreibt Morais in der Danksagung, wurde dieses Buch in seiner Struktur von Federico Fellinis Film “Amarcord” sowie “The Year Of My Life (Oraga Haru)”, einem Poesiebändchen des japanischen Dichters Kobayashi Issa. Wie bei “Buddha in Brooklyn” handelt es sich auch bei diesen beiden Vorbildern je um die Erzählung eines Lebens, verdichtet zu einem einzigen symbolischen Jahr.

Morais beschreibt auf den ersten einhundert Seiten die ersten vierzig Jahre im Leben von Seido Oda: Als Kind, vom Vater scheinbar bevorzugt, wird er ins Kloster geschickt. Kurz darauf nimmt sich sein Vater das Leben, wobei durch einen Unfall auch der Rest der Familie (Mutter und zwei Brüder) sterben. Zurückgezogen führt Seido von da an sein Klosterdasein, freundet sich kaum mit anderen Novizen an. Von einer kurzen Episode während es Kunststudiums in Tokio abgesehen, stürzt er sich in sein Denken, Verdrängen und in die Suche nach Buddha.

Um sein vierzigstes Lebensjahr wird Seido von seinem früheren Mentor Fukuyama nach New York geschickt, um den Bau eines Tempels für die dortige buddhistische Gemeinde zu beaufsichtigen und deren Priester zu sein. Zu dieser Zeit ist er nicht der Ball, der im Fluss treibt, wie es im ersten Satz des Texts heisst, nein: Seido ist ein unbeweglich im Flussbett steckender Stein, der keinen Millimeter von seiner Position abzuweichen gedenkt.

In Brooklyn aber beginnt das symbolische Jahr seiner Entwicklung. Zunächst ist er heftig angewidert von dortigen Sitten und Gebräuchen und vor allem von amerikanischen Auslegungen des Buddhismus, denen “ernsthafter Geist und ehrliches Bemühen” abzugehen scheint. Doch Schritt für Schritt lernt er die neue Kultur zu akzeptieren, toleranter zu werden, sich selbst weiterzuentwickeln, mit Vergangenem abzuschliessen. Er findet Freunde, Anregung, Liebe. Und gelangt so schliesslich zu seiner ganz persönlichen Erleuchtung: der “Fähigkeit zu erleiden, was zu erleiden ist; (…) zu geniessen, was es zu geniessen gibt.”

Abgesehen von zwei, drei Wendepunkten verläuft die Entwicklung von Seido Oda reibungslos, vielleicht  allzu reibungslos. Mehr Stolpersteine hätten durchaus nicht geschadet; auch um wirklich bissige Seitenhiebe auf die Pervertierung religiöser Lehren ist das Buch verlegen. Odas anfänglich wütender Spott kommt nur selten mit voller Kraft zum Ausdruck.

Diese leise Kritik soll nicht davon ablenken, dass Morais mit “Buddha in Brooklyn” ein anregendes Werk gelungen ist, mit Verve erzählt, detailreich und fantasievoll, gespickt mit glaubhaften Charakteren, gleichermassen unterhaltend und zum Nachdenken anleitend.

Wertung: 7,5 / 10

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