Rezension: Viola Ardone – Rezept für ein Herz in Aufruhr (Ullstein, 2013).

Das Romandebüt der jungen Neapolitanerin Viola Ardone entführt in die paranoide Gedankenwelt der Protagonistin Dafne, einer ehrgeizigen Architektin, der die Angst vor ihren eigenen Gefühlen so unerträglich geworden ist, dass sie das Leben mittels einer Geometrie zu erklären sucht. Eine verstrickte, klug erzählte Geschichte über die Unersetzlichkeit von Liebe, Familie und Erinnerung.

Titel

Titel: Rezept für ein Herz in Aufruhr (Original: La ricetta del cuore in subbuglio)
Autorin: Viola Ardone
Übersetzung: Verena von Koskull
Verlag: Ullstein
IBAN: 978-3-550-08029-6
Umfang: 299 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag

Mit ihrer Geometrie schützt sich Dafne vor Unplanmässigkeiten, bösen Überraschungen, vor allem, was ihre Prinzipien durcheinander bringen könnte. Sie bezeichnet sich selbst als „Periskop“, das alles unter die Lupe nimmt, selbst jedoch verborgen bleibt im Schutze des Wassers. Ihre Gedankengänge sind bisweilen absurd, einer paranoiden Logik folgend, die sie selbst als die „Geometrie ihrer Gefühle“ bezeichnet. Sie selbst fürchtet sich vor ihren Gefühlen, verschweigt ihrer verhassten Psychotherapeutin Dottoressa Lanzetti die Dinge „vor allem, um sie sich selbst nicht zu Ohren kommen zu lassen.“

Einige erfolglose Affären bestätigen sie in ihren Ansichten der Liebe gegenüber. Zumal im Hintergrund ihres Denkens stets  ein vergangener „Er“ dräut, ihr einstmals vermeintlicher Mann fürs Leben. Einzig ihr Arbeitskollege Martini scheint die Macht zu besitzen, zur ‚echten‘ Dafne vorzudringen. Doch alles gerät aus den Fugen, als sie von ihm schwanger ist. Nun erst erhält ihre perfekte, geometrisch berechenbare Fassade Risse und sie bemerkt, dass ihr etwas fehlt: Die Erinnerung an die Kindheit.

Aufgrund von Viola Ardones geschickter Erzählweise ist der Leser stets besser informiert. Die Geschichte spielt sich auf drei Ebenen ab: Einerseits ist da die Gegenwarts-Ebene, personaler Erzählstil, die der Mittdreissigerin Dafne durchs Leben folgt; zweitens sind regelmässig Auszüge aus Dafnes „Geometrie“ abgebildet, Darstellungen und Erläuterungen ihres Weltbilds; zuletzt gibt es immer wieder Kapitel, die von einer jungen Dafne im Primarschulalter verfasst worden sind, kindlich-nüchterne Erzählungen der Dinge, die um das Kind Dafne herum geschahen – und bald wird klar, dass irgendwo in diesen Texten der Schlüssel zum Trauma liegen wird, das Dafnes Erinnerungen ausradiert hat.

Der sprachliche Switch zwischen dieser „Kindersprache“ und dem Rest der Erzählung ist gelungen, wirkt nicht befremdend, sondern bringt eine spannende Vielfalt. Ebenso beherrscht Viola Ardone die Kunst der Andeutung nahezu in Perfektion. Oft kommt es vor, dass bedeutsame Informationen versteckt sind in Nebensätzen, in nicht vollendeten Sätzen, in unscheinbaren Worten oder in den drei altbekannten Punkten. Doch nie wirkt der Roman dabei unverständlich oder bemüht. Ein vielversprechendes, durchdachtes Debüt.

WERTUNG: 7.5 / 10

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