Rezension: Niccolò Ammaniti – Lasst die Spiele beginnen (Piper, 2013).

Niccolò Ammanitis Roman „Lasst die Spiele beginnen“ liegt erstmals in einer deutschen Übersetzung vor. Er handelt von einer korrupten, aufmerksamkeitsgeilen Gesellschaft der sogenannt Reichen und Schönen und ist bestrebt, die Grausamkeit einer derartigen Gesellschaft in einem apokalyptischen Szenario aufzuzeigen. Dabei ist „Lasst die Spiele beginnen“ jedoch kein bitterer Endzeitroman, sondern eine groteske Komödie.

ammaniti

Titel: Lasst die Spiele beginnen (Original: Che la festa cominci, 2009).
Autor: Niccolò Ammaniti
Übersetzung: Petra Kaiser, Ulrich Hartmann
Verlag: Piper München
ISBN: 978-3-492-05516-1
Umfang: 336 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag

Die Geschichte konzentriert sich auf zwei Haupthandlungsstränge. Deren erster dreht sich um eine Gruppe von vier Freunden, die gemeinsam eine reichlich erfolglose satanistische Gruppierung bilden. Um in ihren einschlägigen Kreisen Ruhm und Ehre zu erlangen, beschliessen die vier, die Schlagersängerin Larita ihrem Herrn zu opfern. Zu diesem Behuf schleichen sie sich als Hilfskräfte auf ein grosses Fest ein, das der neureiche Sasà Chiatti für die gesamte Römer Prominenz in seinem gigantischen zum Safarigelände umfunktionierten Park gibt.  Hier gedenken sie, die Sängerin zu kidnappen und vor aller Augen zu enthaupten.

Der zweite Haupthandlungsstrang folgt einem, der an diesem Fest teilnimmt: Dem Star der italienischen Literaturszene, Fabrizio Ciba. Im Gegensatz zu den vier Satanisten, die allesamt eine zutiefst liebevolle Seite haben, ja eigentlich gutherzige Menschen sind, die ans Leben glauben, ist Ciba ein korrupter, hinterhältiger, gieriger Typ. Für seinen eigenen Ruhm und dekadenten Lebensstil, ist er bereit, über Leichen zu gehen, was er im Rahmen des grossen Festes bei Chiatti tatsächlich tun muss.

Das Fest, das den zweiten und dritten Teil der Erzählung, und somit den grössten Teil des Buches, füllt, soll durch eine Tigerjagd zu Elefant und weitere grausame Jagden gekrönt werden. Im Laufe dieser barbarischen Veranstaltung aber, beginnt, alles schiefzugehen. Das sprichwörtliche Tier im Menschen wird geweckt, ein Kampf ums nackte Überleben beginnt. Der Roman folgt in dieser Phase Ciba, der gemeinsam mit der  Sängerin Larita, die er zu lieben glaubt, vom Elefanten gestürzt ist, und nun in finsterer Nacht den Weg durch den Park voller wilder Tiere und noch wilderer Menschen sucht; zweitens folgt er Mantos, dem Anführer der Satanisten, der seine Mitstreiter verloren hat – zwei davon, weil sie heiraten wollen, den dritten, weil er unsterblich in die bald heiratende Frau verliebt ist und sich umgebracht hat -, aber weiterhin nach Larita sucht. Zu allem Unglück bringt der dritte Teil auch noch eine Horde kannibalischer sowjetrussischer Ex-Athleten und deren inzestuöse Nachkommen, die sich seit Jahrzehnten in den Katakomben des Parks versteckt halten, ans Kunstlicht der Römer Nacht. Ein ereignisreiches Schlussfeuerwerk wird abgefeuert.

Auch wenn gewisse Passagen dieses Werks, insbesondere diejenigen, die versuchen Alltagsleben und Satanismus der vier Freunde spielerisch zusammenzubringen, etwas hilflos und bisweilen unfreiwillig komisch anmuten, so ist „Lasst die Spiele beginnen“ insgesamt doch ein sprachlich elegantes, einfallsreiches und spannungsgeladenes Buch. Die Kombination von historischer Realität und Fiktion gelingt Ammaniti gut, ebenso das Einbetten (pop)kultureller Zitate und die überspitzt-satirische Zeichnung der Charaktere, von denen insbesondere Ciba unmittelbare Antipathien weckt. Dass gerade für ihn, der zum Ende des Buches Dieb, Plagiierer, Betrüger und vielleicht auch Mörder ist, ein glückliches Ende vorgesehen ist, ist dann doch noch eine bitterböse zynische Schlusspointe unter diese gut unterhaltende, leicht zu lesende, aber doch nicht immer leicht verdauliche Groteske.

WERTUNG: 6.5 / 10

 

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